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Theater am Scheffel |
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Die Theater-AG |
Kontakt: Christa Möllinger (Theaterlehrerin) |
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Aktualisiert: 11.9.2008 |
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Unterstufe
Schüler der Klassen 5 und 6, keine ständige AG, projektbezogene Arbeitsphasen
Einführendes Schauspieltraining – Sprecherziehung
Projektbeispiele: März 1997 Der gestiefelte Pinocchio (nach Luigi Malerba), Oktober 97 Minidramen (Heiner Müller, Daniil Charms, ua.)
Mittel- und Oberstufe
Arbeitszeit der Theater-AG (Leitung Christa Möllinger): Dienstag, 18 Uhr bis 22 Uhr
Training: Bewegung – Sprache – Rhythmus
Unser Projekt im Schuljahr 1998/99:
Elias Canetti
Drama in drei Teilen (1933/34)
Aufführung Mai 1999 in der Aula des Scheffel-Gymnasiums
Komödie der Eitelkeit" ist ein schillerndes Stück, viele Zugänge sind möglich, philosophisch, politisch, vom Volksstück her.
Ausgangspunkt ist die Anordnung einer autoritären Macht, alle Spiegel und Bilder im Land zu vernichten...Was geschieht mit dem Einzelnen? Sein Charakter tritt jeweils immer deutlicher hervor im Verlauf des Stückes, weder edel noch human, sondern schwach, grausam und sehr oft lächerlich.
Für uns bietet Canettis Drama pralles, lebensvolles Theater für mehr als 25 Schauspieler der Klassen 5 bis 12!
Zum Aufführungsbericht mit vielen Fotos hier klicken
Mai 1998 Yvonne, die Burgunderprinzessin von Witold Gombrowicz
Oktober 1997 Versammlung um die Braut von Ad de Bont
Gastspiele Mai 98 bei den Schülertheatertagen Konstanz
Juli 98 bei den Schultheaterfestival in Freiburg
November 1996 Der Vogelkopp von Albert Wendt
-> zum Programmheft (pdf)Gastspiel April 97 beim Festival der Generationen in Tübingen
März 1996 Iphigenie Königskind von Pauline Mol
-> zum Programmheft (pdf)Mai 1995 Robert der Teufel nach Johann Nestroy
Es gibt einige Schüler in unserer Gruppe, die seit der 5. Klasse, also nun schon im sechsten Jahr am Scheffel-Gymnasium Theater spielen, mit mindestens einem Projekt pro Schuljahr. Grund genug, auch einmal inhaltlich nach einem roten Faden zu suchen und zu fragen, was uns eigentlich beschäftigt hat. Unschwer lassen sich die Figuren zusammensehen, mit denen wir uns gestalterisch auseinandergesetzt haben:
Da folgte in der frühen Zeit Pippi Langstrumpf" auf Erich Kästners Pünktchen und Anton"; danach kam Robert der Teufel" (Nestroy) und später Der Vogelkopp" (Wendt), nun Yvonne". Sie alle haben gemeinsam, dass sie aus der ihnen zugedachten Rolle fallen, provozieren, ihre Grenzen überschreiten.
Ein genauerer Blick zeigt Nestroys Robert als jemanden, der bestraft wird für seine Übertretungen, diese Bestrafung auf sich nimmt und geläutert am Ende von seiner glücklichen Familie wieder aufgenommen wird.
Der Vogelkopp löst sich aus seinen (falschen") Zusammenhängen, folgt seiner Spur oder dem Licht, das die Vögel ihm zeigen. Und obgleich er seine Frau, sein Heim, seine Arbeit und seinen Platz in der Gesellschaft verloren hat, gewinnt er ein Königreich.
Bei Yvonne, die durch ihr Sein, und dem Prinzen, der durch sein Handeln provoziert, liegen die Dinge nicht so einfach. Allein schon dadurch, dass es kein gutes Ende gibt. Der Prinz scheitert und Yvonne überlebt nicht in der traurig grausamen, wilden und komischen Geschichte. Wo liegt der Grund für diese Kapitulation?
Im Lauf der szenischen Arbeit mussten wir bemerken, wie komplex der Hintergrund unseres Stückes ist und dass es sich allen schlüssigen Deutungsversuchen entzieht:
Ansporn und Ermutigung für uns, mit den Mitteln des Theaters zu forschen, und wachsende Spannung, welche Gestalt unsere Yvonne" annehmen würde.
Christa Möllinger
Als Vorspann zur Veröffentlichung von Yvonne" in der Zeitschrift Skamander" schrieb Witold Gombrowicz folgende extrem geraffte
Zusammenfassung des Stückes:
1. Akt
Prinz Philipp verlobt sich mit der unappetitlichen Yvonne, denn er fühlt sich durch den verheerenden Anblick dieses Mädchens in seiner Würde verletzt. Zudem will er als Freigeist nicht dem natürlichen Ekel gehorchen, den diese unangenehme Person in ihm auslöst. König Ignaz und Königin Margarethe willigen aus Furcht vor dem Skandal, mit dem Philipp ihnen droht, in die Verlobung ein.
2. Akt
Es geschieht, dass Yvonne sich in den Prinzen verliebt. Von dieser Liebe überrascht, fühlt sich der Prinz verpflichtet, darauf als Mensch und Mann zu reagieren. Er wünscht, er könne sie seinerseits lieben.
3. Akt
Die Anwesenheit Yvonnes am Hof verursacht sonderbare Verwirrungen. Die Verlobung des Prinzen löst Spott und Klatsch aus.
Yvonnes Schweigen, Wildheit, Passivität bringen die Königsfamilie in eine schwierige Lage. Yvonnes natürliche Unzulänglichkeiten entfesseln gefährliche Ideenverbindungen, denn jeder findet darin so etwas wie eine Spiegelung von Unvollkommenheiten der eigenen Person und auch der anderen.
Eine Epidemie ungesunden Lachens sucht den Hof heim. Der König entsinnt sich seiner alten Sünden. Die heimlich wie besessen schreibende Königin kann sich nicht mehr verbergen, kann sich nicht verhehlen, wie entsetzt sie über ihre Gedichte ist, die, so entdeckt sie, Yvonne gleichen.
Absurde Verdächtigungen kommen auf. Die Dummheit und der Unsinn greifen um sich. Jeder spürt es, auch der Prinz, doch weiß er nicht, was er tun soll. Er fühlt sich selbst hinsichtlich Yvonnes absurd. Wie könnte er sich da noch verteidigen? Er meint, einen wirksamen Gegenschlag zu tun: er umarmt öffentlich eine Hofdame und verlobt sich mit ihr, nachdem er mit Yvonne gebrochen hat. Doch ein wirklicher Bruch ist nicht möglich, er weiß, dass Yvonne immer an ihn denken und sich auf ihre Weise das Glück des jungen Paares vorstellen wird. Yvonne hat ihn in ihrer Macht. Er beschließt, sie zu töten.
4. Akt
Der König, der Kammerdiener, die Königin, der Prinz versuchen jeder auf eigene Faust, Yvonne zu töten. Doch sie direkt zu töten, übersteigt ihre Kräfte: der Akt erscheint zu dumm, zu absurd, kein formeller Grund rechtfertigt das, die Konventionen sprechen dagegen.
Die Bestialität, die Wildheit, die Dummheit und der Unsinn wachsen unaufhörlich. Auf den Rat des Kammerdieners beschließen sie, den Mord zu organisieren und zugleich den Anschein der Majestät, der Eleganz, der Überlegenheit zu wahren. Es wird ein Mord von oben sein und nicht mehr von unten. Das Unternehmen gelingt. Die Königsfamilie kommt wieder zur Ruhe.
Theater-AG des Scheffel-Gymnasiums Lahr
14. / 15. / 16. Mai 1998, 20 Uhr in derAula
Y v o n n e
d i e
B u r g u n d e r p r i n z e s s i n
V o n W i t o l d G o m b r o w i c z
Deutsch von
Heinrich Kunstmann
Yvonne: EsraNur Alpsoykan
König Ignaz: Benjamin Himmen
Königin Margarethe: Annemarie Hübers
Prinz Philipp, Thronfolger: Michael Kleine
Der Kammerherr: Mattias Fürstenberger
Isa, eine Hofdame: Miriam Zähringer
Cyrill, ein Freund des Prinzen: Andreas Kerbs
Die Tanten Yvonnes: Alexandra Bernal, Daniela Fink
Innozenz, ein Höfling: Sven Haas
Zwei Hofdamen: Elena Bär, Nadine Kirner
Der Hofstaat: Elena Bär, Alexandra Bernal, Daniela Fink,
Waldemar Grünwald, Nadine Kirner, Menno Koller,
Alexis Papathan, Jana Trampert
Lakaien: Jonathan Braun, Björn Geiger, Stefan Ruder
Valentin, ein Diener: Sven Hager
Bettler: Jonathan Braun
Regie: Christa Möllinger
Technische Einrichtung: Rainer Lehmann
Souffleuse: Nora Dittus
Ton: Christian Boulay, Sven Haas
Licht: Helge Gehrke, Felix Grundhöfer, Stefan Warthmann
Aufführungsrechte: S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main
Dauer der Aufführung: 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause;
nach der Vorstellung werden in der Aula Erfrischungen gereicht -
Eintritt frei -wir bitten um eine Spende -herzlichen Dank!
Witold Gombrowicz,
geboren 1904 im Gutshof Maloszyce/Opatow Polen.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Warschau und Paris Referendar am Gericht in Warschau.
Erste Veröffentlichung 1933: "Erinnerungen aus der Zeit der Unreife"(Erzählungen).
1935 erscheint, nicht beachtet von der Kritik und von keiner Bühne angefordert, sein Stück "Yvonne, die Burgunderprinzessin" in der Zeitschrift "Skamander". Zweiundzwanzig Jahre später, zur "Tauwetter"-zeit 1957, wird das Stück in Krakau zum ersten Mal gespielt und findet überwältigende Aufnahme, ebenso auch die erste westeuropäische Aufführung in Paris 1965.
1937 erscheint der Roman "Ferdydurke", der Autor trägt die Hälfte der Druckkosten, widersprüchliches Echo. Bruno Schulz setzt sich für den Roman ein.
1939 landet Gombrowicz als Passagier der Jungfernfahrt eines Schiffes in Buenos Aires, vorgesehen ist ein Aufenthalt von wenigen Tagen. Er bleibt bis 1963, wohnt in kleinen Hotels und schreibt unter Decknamen für argentinische Zeitungen und Zeitschriften.
Von 1947 bis 1955 arbeitet er als Sekretär bei der Polnischen Bank.
Es erscheinen Erzählungen, Romane ("Trans-Atlantik", "Verführung"), Schauspiele ( "Die Trauung" 1963, "Operette" 1969 - surrealistische Traumspiele wie "Yvonne" ) und Tagebücher.
1957 werden in Polen mit Ausnahme der Tagebücher alle Werke gedruckt und sind schnell vergriffen.
Erster westeuropäischer Hinweis auf Gombrowicz in der Zeitschrift "Preuves", Paris, dort auch erste Übersetzungen aus Werken.
1958 erscheint "Ferdydurke" in deutscher Übersetzung.
In Polen sind ab 1958 alle Schriften Gombrowiczs wieder verboten.
1963 Einladung der Ford-Stiftung für ein Jahr in West-Berlin.
1967 Internationaler Literaturpreis der Verleger.
Gombrowicz stirbt 1969 in Vence, Frankreich.
Die Masken des Höflings
Höfische Menschen müssen verstehen, ihre Gesichtszüge, ihre Worte, ihre Bewegungen genau auf die Menschen, denen sie jeweils begegnen, und auf die Gelegenheit, bei denen sie ihnen begegnen, abzustimmen. . .
Mag sein, dass im Leben der höfischen Menschen die Nuancierung des Lächelns, die Gradierung der guten Manieren, die ganze komplizierte Ausfeilung des Verhaltens entsprechend dem Rang und Status der jeweiligen sozialen Partner ursprünglich den Charakter einer durch bewusste Übung erlernten Maskierung hat. Aber. . . wenn der Höfling als Erwachsener in den Spiegel sieht, so findet er, dass das, was er vielleicht zunächst als bewusst angelegte Maskierung in sich entwickelt hat, ein Bestandstück seines eigenen Gesichtes geworden ist.
Die Maskierung spontaner Impulse, die Panzerung und Verwandlung elementarer Gefühlsregungen hat gewiss im Rahmen der höfischen Gesellschaft nicht die gleiche Gestalt und Struktur wie . . . in allen Schichten industrieller Gesellschaften, deren Angehörige auf Arbeits- und Karrierezwänge abgestimmt sind. In der höfischen Gesellschaft wird die Panzerung noch nicht dermaßen allumfassend und automatisch wie in diesen arbeitenden Gesellschaften, da die größere Ungleichheit der Menschen, die Unterordnung, die Abhängigkeit, die Unterwürfigkeit der niedriger rangierenden, vor allem der ärmeren Schichten, höfischen Menschen immer ein weites gesellschaftliches Feld eröffnet, in welchem affektive Erregungen jeder Art verhältnismäßig offen . . . ausgelebt werden können, ohne von gesellschaftlichen Misserfolgen oder Strafen bedroht zu sein, und innerhalb deren daher die Entwicklung von Selbstzwängen und Selbstkontrollen nur in entsprechend geringem Maße erforderlich ist. .
Höfische Aristokraten sind sich häufig in recht hohem Maße bewußt, dass sie im Verkehr mit anderen höfischen Menschen eine Maske aufsetzen, wenn sie sich auch wohl nicht bewusst sind, dass ihnen das Aufsetzen von Masken, das Spiel mit Masken zur zweiten Natur geworden ist.
Norbert Elias, Die höfische Gesellschaft, Frankfurt am Main 1983, S. 356f
Versammlung um die Braut
Aufführung am 18. Oktober 1997 im Scheffel-Gymnasium
Esra Alpsoykan
Alexandra Bernal
Elsa Dahlhausen
Mattias Fürstenberger
Benjamin Himmen
Annemarie Hübers
Andreas Kerbs
Michael Kleine
Miriam Zähringer
Christian Boulay, Sven Haas Ton
Helge Gehrke, Felix Grundhöfer,
Stefan Warthmann Licht
Aus der Besprechung des Theaterabends am 11. Dezember 1997 im Scheffelgymnasium, bei dem Versammlung um die Braut" Teil des Programms war:
Lahrer Zeitung, Samstag, 13. Dezember 1997, Georgis Zwach...Musik, Skulptur und Tanz fließen in das Schauspiel ein und sind Teil seiner Aussage.
So ...(spielt) vor dem knappen, aber überaus suggestiven Bühnenbild aus riesigen, leeren Rahmen eine Handlung, die aus aneinandergereihten Aperçus besteht: einem Registrieren von Abläufen des allzu Menschlichen. Es existiert dafür keine Textvorgabe, nur ein paar Zeichnungen in der Art von Comics und ein Werkstatt-Text des Autors Ad de Bont.
Die Folge der Szenen spiegelt Einzel- und Gruppenverhalten aus wechselndem Anlass wider: Hausarbeit, Singen -alleine und im Verein, pathetisch selbstherrlich und volkstümlich-bieder-, Ausziehen von Kleidern, Schuhe anziehen, Partnerkampf, Familienalbum, Liebe. Sie werden dargeboten als surrealistische Happenings, wo Menschen, in absurder Kleidung, Schuhe auf dem Kopf balancieren oder Paare an einem Strang ziehen. Sie tun das in gleichförmiger Ernshaftigkeit und unter extremer Verrenkung, die zur Aggression führt. Das vorgezeigte Familienalbum ist leer und die Verliebtheit gilt dem Objekt eines Plastikeimers. Wie im richtigen" Leben tun alle immerzu das jeweils Gleiche, nur macht die Absurdität die Rituale erst in der Verfremdung des Umfelds wahrnehmbar. Mitten im Bühnenraum steht -kopflos- ein drei Meter hohes Hochzeitskleid. Prunkvoll wie das der meniñas" von Velasquez...
Aus der Besprechung des Theaterabends am 11. Dezember 1997 im Scheffelgymnasium, bei dem Versammlung um die Braut" Teil des Programms war.