20 Jahre neues Scheffel-Gymnasium:
20 Jahre
Scheffel-Gymnasium ein Rückblick auf die Geschichte der Schule seit ihrem Umzug
von der Lotzbeckstraße ins Schulzentrum im Mauerfeld
Wenige Jahre nach dem Umzug ein
Schülerberg"
Von Edmund Hensle
Man muss immer aufpassen, dass nichts schmutzig wird",
alles ein bisschen kahl", gut": So urteilten einige Schüler, als
1977 das neue Scheffel Gymnasium bezogen wurde. Bei der Umfrage der Schülerzeitung
Kleiner Merkur" vor 20 Jahren reichten die Reaktionen von Begeisterung bis zu
Ablehnung. Inzwischen wissen die Schüler und die meisten Lehrer des Scheffel gar nicht
mehr, wie es in der alten Schule war. Sicut transit gloria mundi", antwortete
damals ein anderer Schüler. Nichts kann besser illustrieren, dass die alte Schule
vergessen ist. Es war ein großes Wagnis, das die Stadt mit der Errichtung eines
Schulzentrums auf dem Mauerfeld einging. Für das Scheffel, die älteste Schule Lahrs, war
ein Umzug von der Innenstadt an den Rand der Stadt ebenfalls ein Wagnis. Niemand konnte
1977 abschätzen, wie sich die Schule entwickeln würde.
Die Investition hat sich gelohnt: Schon fünf
Jahre später war die Schule zu klein. Geplant für etwa 800, hatte das Scheffel 1981 fast
1300 Schüler. Dieses explosionsartige Anwachsen brachte viele Probleme mit sich. Raumnot
und Lehrermangel gehörten dazu. Aber mit sehr viel Engagement ein Lieblingswort
des damaligen Schulleiters Hans-Dieter Burghardt begegnete die Schule diesen
Schwierigkeiten.
Das alte, rein humanistische
Gymnasium gab es nicht mehr. Französisch und Englisch als Anfangssprachen sowie das
mathematisch-naturwissenschaftliche Profil gehörten zum neuen Bild der Schule. Eine neue
Einrichtung trug ebenfalls zum Gelingen bei: 1977 wurde der Verein der Freunde und Förderer
gegründet. Er unterstützt seither die Schule in vielerlei Hinsicht. So hat er
wesentlichen Anteil am Ausbau der Mediathek und an der Ausstattung der Schule mit
Videoanlagen; seit zwei Jahren gibt es auch eine professionelle Videoschnittanlage.
Das Anwachsen der Schule verlangte nach mehr Lehrern. Die Zahl
der Kolleginnen und Kollegen stieg 1985 auf
110 an. Schülerberg, Pillenknick und Lehrerschwemme waren auch für das Scheffel
Schlagworte, die den Schulalltag in den 80er Jahren bestimmten. Das waren noch Zeiten, so
die älteren Kollegen, als sie 38 Schüler in der Klasse hatten und die Schule aus allen
Nähten platzte. Aber das änderte sich wieder, und so schnell wie die Schule gewachsen
war, so schnell gingen die Schülerzahlen auf Normalmaß zurück. Zur Zeit besuchen etwa
700 Schülerinnen und Schüler das Scheffel-Gymnasium.
Was wäre der schulische Alltag ohne die
Arbeitsgemeinschaften, die Studienfahrten und Schullandheimaufenthalte? Einer der
Höhepunkte im Laufe des Schuljahres ist immer die Aufführung der Theater-AG. Sie prägt das Bild der Schule
wesentlich mit mit. Von Molière bis Brecht, von Soyfer bis zu Cabaret",
Nestroy, Canetti und Autoren des modernen Kindertheaters reicht das Spektrum
der Aufführungen. Lohn der Arbeit war der erste Platz bei den baden-württembergischen
Schultheatertagen 1991, waren vielbeachtete Gastspiele am Landestheater Tübingen 1997,
Stadttheater Konstanz und Theater Freiburg 1998.
Neben Theater war immer auch die Musik prägend für die Wirkung
nach außen. Der Hausmusikabend wandelte sich, an seiner Stelle traten offene, in
vielfältigen Formen dargebotene Aufführungen, die inzwischen an Performances erinnern.
Musik und Kunst bildeten zusammen die Grundlage für
die Gestaltung von Klangräumen, die auch mit den Augen erfahren werden durften.
Die Foto-AG dokumentierte
alles, was es zu fotografieren gab. Wie erfolgreich sie dabei war, belegt die Tatsache,
dass sie 1990 als beste AG Deutschlands ausgewählt wurde. In vielen Ausstellungen zeigten
die Schüler, wie gut sie die Technik beherrschten und welch guten Blick für das
Fotografische sie hatten.
Es wäre müßig, alle Aktivitäten an der Schule
aufzuzählen, die das Profil des Scheffel-Gymnasiums ausmachen. Aber das Klima an einer
Schule wird auch von den Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler bestimmt, die im Rahmen der Schülermitverantwortung tätig sind. Projekte mit
Aussiedlern und Flüchtlingen, Diskussionen mit Abgeordneten, Fastnachtsfeste und
Unterstufendisco: All das wird von Schülern für Schüler geplant und in die Tat
umgesetzt. Immerhin hat auch eine politische Gruppierung im Stadtrat ihren Ursprung am
Scheffel-Gymnasium.
So politisch sich eine Gesellschaft darstellt, so
politisch ist auch die Schule. In den vergangenen 20 Jahren hat sich in der Gesellschaft
der Bundesrepublik vieles verändert. Der Deutsche Herbst" , ebenfalls 1997
genau 20 Jahre her, die Umbrüche in der Politik der 80er Jahre wirkten in die Schule
hinein und veränderten die Einstellungen. Dies zeigte sich in der Reaktion auf die
Umweltproblematik ebenso wie in der Diskussion um den Nato-Doppelbeschluss. Die
Wiedervereinigung und die Öffnung der Grenzen blieben auch an der Schule nicht ohne Echo.
Die Probleme der Stadt Lahr sind auch die Probleme der Schule knappe
Kassen" ist das Schlagwort, das den Schulalltag prägt. Um den neuen
Herausforderungen gerecht zu werden, braucht es viel Mut.
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