Begleitung Sterbender

 

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Erfahrungen des Todes in unserer Gesellschaft

" Es hat alles seine Zeit und alles Tun unter dem Himmel hat seine Stunde. Geboren werden hat seine Zeit, Sterben hat seine Zeit..."( Predigt Salomos )

Dank der medizinischen Fortschritte hat sich die Lebenserwartung der Menschen enorm erhöht. Wenn man mit der Lebenserwartung von hundert Jahren vergleicht, hat sich diese um fast das doppelte erhöht. Doch trotz dieses enormen Fortschrittes wissen wir auch, dass man mit achtzig Jahren nicht mehr lange zu leben hat und sich somit auf das Dahinleben vorbereiten muss. So wie wir den Tod an die Grenze eines langen Lebens drängen, so haben wir auch das Sterben aus der Grenzzone unseres Denkens verdrängt.

 

Sterben zu Hause

Die Ärztin E. Kübler-Ross beschreibt das Sterben eines Schweizer Bauern: Dieser fiel von einem Baum und wurde tödlich verletzt. Auf seine Bitte wurde er nach Hause in sein Bett gebracht. Dort ordnete er seine Angelegenheiten und sein Hab und Gut. Seine Freunde wurden zu ihm eingeladen um ihn zu verabschieden. Nachdem der Bauer gestorben war, blieb er bis zur Beerdigung im Haus.

Dieser Bericht zeigt, welche Hilfe es für einen Menschen bedeuten kann, sich im Sterben auf alte Sitten zu verlassen und in der Umgebung von Freunden zu Sterben.

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Sterben im Krankenhaus

In den meisten Fällen werden lebensgefährlich Kranke in ein Krankenhaus eingeliefert. Ärzte, Schwestern und Pfleger sind total überfordert, weil man ihnen mehr und mehr die Zuständigkeit für das Sterben in unserer Gesellschaft zuschiebt. Man lässt sie mit dieser schweren Aufgabe oft allein. Ohne das verständige Mitwirken von Angehörigen und Pfarrern erliegen die im Krankenhaus tätigen nur zu leicht den mechanisierten und unpersönlichen Abläufen bei gleichzeitiger Erkenntnis des Ungenügens solcher Hilfe. Die Patienten fühlen sich dadurch oft einsam und unpersönlich behandelt. Im Krankenhaus entfalten sich oft Gefühle des Alleinseins. Man wird überwiegend von Zeit zu Zeit als Gegenstand, nicht als Person behandelt. Das beginnt schon beim Transport in`s Krankenhaus, der für viele schon der Weg eines langen Leidens bedeutet. Schon der gesunde Mensch erträgt kaum das Geräusch der Sirenen, wie soll sich dann erst ein Kranker fühlen, wenn man ihn auf eine Trage packt und ihn im Rettungswagen abtransportiert.

Viele Menschen sehnen sich in dieser schweren Zeit (oft vergebens) nach Menschen, die einen Augenblick bei ihnen stillhalten und sich um sie kümmern.

Die beiden Berichte vom Sterben zu Hause und im Krankenhaus beschreiben gewiß zwei besonders krasse Gegensätze, aber sie zeigen auch deutlich eine Entwicklung im Umgang mit Sterbenden von einer persönlichen Beziehung zu einer sachorientierten Behandlung und Pflege.

 

Wahrheit am Sterbebett

Durch die fehlenden Erfahrungen von Tod und Sterben und die fehlende Fähigkeit, dieses Schicksal annehmen zu können, bringt für die Sterbenden große, seelische Belastung. Das liegt daran, dass sie wissen, dass sie Sterben müssen. Das ist das wichtigste Ergebnis der Forschungen von der Ärztin Kübler-Ross: Die Sterbenden leben zwischen der Angst vor dem Tod und der Hoffnung zu überleben. Um die Sterbenden herum tut man oft so, als sei es nicht so schlimm, aber es für diese unerträglich. Der Sterbende wird oft nicht wahrgenommen. Er gerät oft in´s Abseits.

Aber es ist für die Gesunden schwer den Kranken diese Wahrheit zu sagen.

 

Der ewige Schlaf

 

Psychische Phasen des Sterbens

Man sollte das Gespräch mit dem Sterbenden beginnen, wenn er noch bei Kräften ist. Bei vielen Sterbenden lassen sich fünf Phasen der seelischen Auseinandersetzung mit dieser extrem schwierigen Situation beobachten.

  1. Die Phase des Schocks ist durch nicht Wahrhabenwollen gekennzeichnet. Es ist für diese leichter den Schock über die Erkenntnis des bevorstehenden Endes zu dämpfen, wenn sie mit der Illusion der Gesundheit leben können.
  2. Wenn die Panik abgewendet werden kann, setzt sich die Realität der Nachricht von der lebensgefährlichen Krankheit durch. Der Patient wird von Wut und Zorn erfüllt. Dieser Zorn wendet sich eigentlich gegen die Krankheit, die Ärzte und Angehörige bekommen diesen Zorn aber am meisten zu spüren.
  3. Es folgt die Phase des Verhandelns. Der Patient versucht mit seinem Gott um Aufschub zu verhandeln oder er bietet ihm an, sein Leben für Gott weiterzuleben.
  4. Die Verhandlungsphase dauert selten lange, weil der Fortschritt der Krankheit den Sterbenden erkennen lassen, in welcher Lage er sich befindet. Er reagiert entweder mit realistischer Hoffnung oder Verzweiflung. Hoffnung bedeutet nicht, dass der Erkrankte auf seine Genesung hofft, sondern mit dem Prozess des Sterbens und dem Leben nach dem Tod. Er fragt sich dann, ob eine künstliche Lebensverlängerung nun wirklich notwendig ist und er hofft darauf einen lieben Menschen bei sich zu haben, wenn sein letztes Stündlein schlägt.
  5. Die Depression: Die erste Art der Depression besteht darin, dass der Sterbende sich einbildet, dass er unfähig ist, begangene Fehler wieder gut zu machen. Die andere Depression entsteht durch den drohenden Verlust geliebter Menschen und des Lebens. Die 2. Form der Depression verläuft sehr still im Gegensatz zur 1.,wo der Kranke versucht seine Gefühle den anderen mitzuteilen.
  6. In der letzten Phase der Zustimmung ist der Sterbende meist müde und schwach. Das Schlaf- und Ruhebedürfniss wächst. Er kann zustimmend sagen: "Meine letzte Stunde hat geschlagen".

    Er ist bereit den Tod anzunehmen.

 

Reaktionen der Begleiter Sterbender

Der Schock über die Nachricht des Todes trifft nicht nur den Sterbenden sondern auch seine Begleiter. Sie entdecken wie leer ihre Worte sind, und dass sie selber dazu neigen, die Augen vor dem Tod zu schliessen. Manch ein Sterbebegleiter flieht aus Panik. Diese Erfahrungen zeigen, wie wichtig es ist, dass die Begleiter sich über ihre eigene Stellung zum Tod und zum Sterben klar werden, wenn sie Sterbenden beistehen wollen.

 

Zusammenfassung

Im Sterben zeigt sich, wie sehr wir Menschen die Liebe und Zuwendung anderer brauchen. Doch mit der Zeit kann er nicht mehr alles aufnehmen, er verliert seine Nächsten und sich selber. Wir können ihm in den letzten Tagen nur noch unsere Liebe durch unsere Zuwendung spüren lassen.

Über unser eigenes Sterben erfahren wir nicht mehr, als wir vom Leben und Sterben Jesu wissen. Gott hat Jesus in den Kreuztod geführt. Durch ihn ist die harte Wirklichkeit des Sterbens nicht verschleiert, aber es kann durchgestanden werden. Wir können mit unserem Sterben an der Verlassenheit Jesu teilnehmen. Dann sind wir nicht uns selbst überlassen, sondern finden in der Verlassenheit Geborgenheit in Gott, dem Ziel unseres Lebens!!

 


Quellen: Werner Becher/Reinhold Lindner

Begleitung Sterbender

Photos: Diakonie Lahr

"Der ewige Schlaf": Rudolf Schäfer, Kellner Verlags KG

Autoren: Pascal Obert, Philipp Zähringer, David Klausmann

 


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