Die Hospizbewegung

Von Bastian Stober, Klasse 10a, Scheffel-Gymnasium Lahr

 

 

Ein Hospizhelfer bei seiner Arbeit

 


Die Entstehung der Hospizbewegung und die Therapie im Hospiz

Es war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als  Dr. Cicely Saunders, die später von der englischen Königin den Titel „Lady" erhielt, in einem Hospital in London den an Krebs erkrankten Polen David Tasma pflegte. Als David Tasma starb,

hospiz1.jpg (236989 Byte) hinterließ er ihr sein ganzes Vermögen, bescheidene 500 Pfund, mit den Worten „Lassen sie mich ein Fenster in Ihrem Hause sein". Erschüttert von seinem Tod, eröffnete Lady Dr. Cicely Saunders 1967 - 20 Jahre später - in dem Londoner Vorort Sydenham das „St. Christopher`s Hospice" (Bild links), ein Haus, in dem sie Menschen in ihrer letzten Lebensphase aufnahm.
Nach der Schule hatte Lady Dr. Cicely Saunders (Bild rechts) eine Ausbildung als Krankenschwester absolviert, später studierte sie dann noch Medizin. In ihrem Hospiz, in dem sie sich auch heute noch (ca.80 Jahre alt) manchmal selbst um die Patienten kümmert, sollen Sterbende, wie David Tasma einer gewesen war, aufgenommen und dort von qualifiziertem Pflegepersonal betreut werden. Sie glaubte, „daß die Leidenden für ihren letzten Lebensabschnitt eine warme liebevolle Umgebung brauchen, in der sie ihre letzten Tage in Frieden, ohne Schmerzen und Angst, verbringen können." (1) Cicely Saunders

Die Mitarbeit von Angehörigen ist in manchen Bereichen der Pflege erwünscht und willkommen. Dennoch sollen die Angehörigen eines Patienten durch die Hospizarbeit entlastet werden.

Heute gibt es in etwa 50 Ländern der Welt ca. 2000 Hospize (1700 Hospize in den USA, 160 Hospize in England und schon fünf Hospize in Deutschland, unter anderem in Aachen u. Recklinghausen).

Das Wort „Hospiz" kommt eigentlich vom lateinischen Wort „hospes", das heißt der Gastgeber und Gast. Im Mittelalter war dieses Wort die Bezeichnung einer Herberge für Wanderer, die hier Rast machten, aßen oder eine Nacht verbrachten.

Bei der Hospizarbeit, die in England von bezahlten, hauptamtlichen Profis bewerkstelligt wird (in Deutschland arbeiten nur ehrenamtliche Personen ohne Bezahlung in der Hospizarbeit), unterscheidet man die palliativen von der kurativen (von lat. curare, pflegen) Therapie:

- Mit der Palliativmedizin soll die Lebensqualität der Leidenden verbessert und vor allem die Schmerzen der Kranken gelindert werden, auf gar keinen Fall aber das Leben verlängert oder verkürzt werden. Sterbehilfe lehnen die Hospizvereine ganz bewußt ab. Palliativstationen gibt es oft in Krankenhäusern.

- Die kurative Therapieform ist die Pflegeleistung. Sie kann überall (im Krankenhaus, Pflegeheim oder zu Hause) bewerkstelligt werden. Die HospizhelferInnen betreuen jeden/jede, egal woher er/sie kommt und welcher Konfession er/sie angehört. Sie arbeiten dabei eng mit Ärzten und Angehörigen zusammen.


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Der Hospizverein Lahr e.V.

Der Hospizverein Lahr e.V. (oben das Logo des Vereins) wurde am 18. Mai 1993 gegründet. Zu dieser Zeit stand er unter der Leitung von Herr Direktor i.R. Friedrich Dilger und hat heute 300 aktive und passive Mitglieder, von denen 20 als HospizhelferInnen ausgebildet sind und den Leidenden helfen.

Christiane Witteborn Schwester Christiane Witteborn (Bild links) von der Diakoniestation Lahr entscheidet, ob der Patient von einem/einer Hospizhelfer/in oder von einem Pfleger behandelt werden muß. Sie arbeitet in der „Kommandozentrale", in der Diakoniestation der evangelischen Kirchengemeinde Lahr.

Der Hospizverein ist mit einem Arzt des Klinikums Lahr eng verbunden, der für die Kranken (die nicht immer während der Pflegezeit durch die HospizhelferInnen sterben) im medizinischen Bereich da ist.

Zusammen mit dem behandelnden Arzt wird entschieden, wo der Patient behandelt werden soll. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten: Manchmal ist eine Unterbringung in einem Alters- oder Pflegeheim ratsam, in anderen Fällen kann der Patient mit der Unterstützung der Diakoniestation Lahr und der  HospizhelferInnen weiter zu hause wohnen. Bei schweren Erkrankungen wird die Behandlung auf einer Palliativstation im Klinikum Lahr vorgezogen.

Die HospizhelferInnen selbst helfen den Sterbenden, sich den Tod bewußt zu machen, indem sie mit den Patienten lange darüber sprechen (Bild links: Räumlichkeiten eines Hospizes).Sie wollen natürlich, daß die Patienten so lange wie möglich am Leben bleiben, leisten aber weder Sterbehilfe, noch verlängern sie das Leben künstlich durch Maschinen. Zimmer in einem Hospiz

Eine weitere Aufgabe des Hospizvereins ist es, die Angehörigen, die sich ebenfalls um die Patienten kümmern, zu unterstützen und zu entlasten. Die HospizhelferInnen begleiten die Sterbenden also während der letzten Lebensphase.

Mögliche Aufgaben der HospizhelferInnnen sind dabei nach einem Auszug aus der Satzung des Hospizvereins Lahr:

„Begleitung während der Zeit des Sterbens

- Aufbau einer Vertrauensbeziehung zum Kranken und zu seinen Angehörigen durch einfühlsames Zuhören und Anteilnahme.

- Achtung und Ehrfurcht vor seinem Leben und Leiden.

- Sprechen über Angst, Trauer, Nöte, Zweifel und Hoffnung.

- Respektierung der Weltanschauung des Kranken und seiner Familie.

- Unterstützung und Entlastung der Familienmitglieder, damit sie sich auch einmal zurückziehen können.

- Unterstützende Tätigkeit bei der Pflege je nach Situation in Absprache mit den betreuenden Pflegeper- sonen in der Familie und in Absprache mit der zuständigen Leitung oder Pflegedienstleitung der Sozialstation und stationären Einrichtung.

- Mithilfe im Haushalt und bei der Kinderbetreuung, wenn dies notwendig ist.

- Begleitung während der Zeit der Trauer

- Soweit sich persönliche Beziehungen zwischen HospizhelferIn und Familie gebildet haben, ist es wünschenswert und wichtig, diesen Kontakt noch einige Zeit aufrecht zu erhalten durch Teilnahme an der Beerdigung, Besuche, Telefonate, Briefe usw. Dies gilt auch bei der Trauerarbeit mit Hinterbliebe- nen Heimbewohnern. Die Begleitung Trauernder ist ein wesentliches Element der Hospizhilfe." (2)

 

Die aktiven Mitglieder des Hospizvereins Lahr haben zur Ausbildung als HospizhelferInnen ein Seminar besucht, das an jeweils zwei Tagen von ausgebildeten „Lehrern" veranstaltet wird. Sie lernen auch etwas über die Möglichkeiten der Schmerzlinderung bei den Patienten.

Der Hospizverein Lahr steht in enger Verbindungen mit dem Klinikum Lahr, in dem die Hospizhelfer- Innen auch Kranke betreuen, der Diakoniestation, und den Lahrer Kirchengemeinden.

Der Hospizverein ist auf finanzielle Hilfen angewiesen, z.B. aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Hinter- lassenschaften. Da er erst kürzlich ein großes Vermächtnis erhalten hat, plant der Hospizverein Lahr zur Zeit, ein eigenes kleines Hospiz für vier Personen in einer schon vorhandenen Pflegeeinrichtung in Lahr oder Umgebung einzurichten. Dies kann allerdings wegen Verhandlungsschwierigkeiten noch einige Zeit dauern.

Natürlich passt sich der Hospizverein Lahr e.V. auch der neuen Technik an. Er ist auch über Internet erreichbar. Die Internet-Adresse zur Homepage lautet wie folgt: www.hospiz-lahr.de Viel Spaß beim Surfen!

 


Quellen

1 Artikel in der englischen Zeitschrift "The Lady", 1 to 7 November 1994, S. 32-33, heroine of the hospice movement (Übersetzung: Constanze Tillyard Deßecker).                                                                              

2 Auszug aus der Satzung des Vereins "Hospiz am Burghard e.V." vom 26.1.1994.

Neben den angegebenen Quellen: Interview von Bastian Stober mit Vorstandsmitglied Gym.-Prof. Herr Klaus Deßecker am 5.Februar 1999.

Bilder aus "Wo man in Frieden sterben kann" (alle schwarz-weiße Bilder) von Anne Fried, aus der Zeitschrift "Standpukte" (alle farbigen Bilder) vom 3.März 1999 und aus der Satzung des Hospizvereins Lahr (Logo des Hospizvereins Lahr).


Links

 www.hospiz-lahr.de