Elisabeth Kübler-Ross wurde am 8. Juli 1926 in Zürich geboren. Mit ihren Drillingsschwestern Erika und Eva wuchs die Ehrenbürgerin von Meilen bei Zürich in einer mittelständischen protestantischen Kaufmannsfamilie auf. Ihre Familie hatte kein Verständnis für ihren Wunsch Ärztin zu werden. Ebenso ließ ihre Familie sie nicht auf ein Gymnasium gehen. Während ihrer Zeit als Laborantin am Züricher Kantonsspital machte sie das Abitur heimlich nach und finanzierte ihr Medizinstudium durch Nachtarbeit. Sie promovierte 1957. Ein Jahr später heiratete sie den Arzt Dr. Emanuel Robert Ross. Mit ihm emigrierte sie später in die USA. Hier lebt sie heute mit ein paar Kojoten in der Abgelegenheit der Wüste von Arizona. In ihrem Leben erhielt sie 23 Ehrendoktortitel und ihre etwa zwanzig Bücher wurden in millionenfacher Auflage in zwanzig Sprachen gedruckt. Weltberühmt wurde sie 1969 durch ihr Buch "Interviews mit Sterbenden" (entstanden in ihrer Zeit als AssistenzProfessorin am Billings Hospital der Universität Chicago. Ihr größter Wunsch ist es einmal in Tibet den Dalai Lama zu besuchen oder nach Peru zu reisen. Zeitweilig gelähmt kann sie sich gut in die Lage von Kranken und Sterbenden hineinversetzen. Nach eigenen Aussagen freut sie sich auf den Tod: "Sterben das ist, wie wenn man bald in Ferien fährt. Ich freue mich unheimlich."

Elisabeth Kübler-Ross widmete den größten Teil ihres Lebens der Begleitung von Sterbenden. Sie zeichnete dabei die Vorgänge und Prozesse, die sterbende Menschen durchleben, auf. Ihre Erkenntnisse zeigten dabei erstaunliche Ergebnisse. Der Sterbeprozess verläuft nicht linear, sondern in mehreren verschiedenen Schritten, in denen die Menschen unterschiedliche Phasen durchlaufen:
1. VerleugnenDer Kranke erhält die Diagnose, dass er an einer tödlichen Krankheit leidet. Er reagiert mit Ablehnung des Schicksals. Innerlich steht er unter Schock, lässt aber sein Umfeld nicht an sich heran. Er streitet vor sich selbst ab, dass er sterben wird. Sein Bewusstsein wehrt sich dagegen, dass gerade er erkrankt ist und sterben muss. Er will nicht wahrhaben, dass er Betroffener ist. Verhaltensregel:
In dieser Zeit sollte der Kranke nicht gemaßregelt oder zurechtgewiesen werden.
2. Neid und Zorn
Der Kranke entlädt seine Aggressionen auf seine Umwelt. Er macht alle anderen für sein Schicksal verantwortlich. Selbst depressiv, beschuldigt er äußerlich alle, die mit ihm zu tun haben. Innerlich niedergeschlagen, motivations und hoffnungslos, verdeckt er dies mit Wut und Zorn. Verhaltensregel: Er sollte behutsam behandelt werden. Man sollte versuchen auf seine Vorhaltungen nicht zornig zu reagieren, denn diese sind eigentlich nicht gegen seine Umwelt, sondern gegen sich selbst gerichtet.
3.Verhandeln mit Gott und den ÄrztenVon Seiten des Kranken werden Zugeständnisse gemacht. Er verspricht alles Mögliche, um dem Tod zu entrinnen. Er möchte einmal in seinem Leben noch etwas erleben: z.B. sich einen Wunschtraum erfüllen oder vor dem Ableben die Kinder sehen, wie sie erwachsen werden. Außerdem klammert der Kranke sich an jeden Strohhalm. Er vertraut und hofft auf neue Therapien, auf religiöse und spirituelle Möglichkeiten der Heilung (Wahrsager, Wallfahrten...).
Verhaltensregel: Verstärken Sie die Hoffnungen des Kranken, aber bewahren sie ihn auch vor Illusionen. Achten sie darauf, dass der Patient immer auf dem Boden der Tatsachen bleibt.

Quelle: Standpunkte - Das evangelische Magazin 3/99
4. Depressionen,Vergangenheit und Zukunft
Der Kranke blickt auf sein vergangenes Leben zurück und erinnert sich an alle schönen Dinge, die ihm in seinem Leben widerfahren sind. Er macht sich Sorgen über seine Zukunft und die mit seiner Krankheit verbundenen Probleme. Hierüber treten oft nächtliche Angstzustände auf. Nicht selten verlangt der Kranke aktive Sterbehilfe.
Verhaltensregel: Machen sie dem Kranken klar, dass es normal ist traurig zu sein, erst recht bei Menschen, die dem Tod ins Auge blicken. Verbieten sie niemandem zu trauern. Versuchen sie seine Ängste und Sorgen zu zerstreuen.
5. Akzeptierungsphase
Der Kranke nimmt seine Krankheit an. Er realisiert seinen Zustand und verteilt sein Erbe. Er kann nun auch mit anderen über seine Krankheit frei sprechen. Diese Gespräche bedeuten ihm besonders viel. Er wird ruhig und sanft.
Verhaltensregel: Die Wünsche und Anweisungen des Sterbenden sollten ernsthaft aufgenommen und möglichst auch erfüllt werden. Es soll ihm die Angst genommen werden, dass er vergessen wird. In dieser Zeit sollte er oft besucht werden. Hier genügt schon die Anwesenheit einer verwandten oder bekannten Person. Wenn der Kranke in dieser Phase stirbt, so ist dies oft ein von der Familie mit getragenes Erlebnis.
Allgemein ist zu sagen, dass diese Phasen oft in unterschiedlicher Reihenfolge verlaufen oder sich auch wiederholen. Der Tod aber ist nicht berechenbar und kann in jeder Phase eintreten.

Quelle: Rudolf Schäfer, "Der ewige Schlaf"
Quellen und Links:
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