10 c Studienfahrt Potsdam – Berlin

Aktualisiert am: 2.7.2002

Von Friedrich W. Brandt


Die 10c mit MdB Peter Weiss, Friedrich W. Brandt und Klaus Weingärtner in der Reichstagskuppel


Überblick

Die Klasse 10c vom 23. bis zum 28.06.02 auf Studienfahrt nach Berlin: im „Brennpunkt der Geschichte“

Wo einst die Mauer die Deutschen gewaltsam trennte und Brachgelände an den ehemaligen „Todesstreifen“ erinnern, reihen sich heute am Spreebogen entlang in moderner Architektur das Bundeskanzleramt, das Karl-Löbe-Haus für Abgeordnete, das Medienzentrum und ein wenig  trutzig der Bundestag im Reichstagsgebäude. Weiter hinten glänzt das langgezogene  Glasgewölbe des neuen Lehrter Bahnhofs in der Sonne. Im Karl-Löbe-Haus scheinen die Spreekähne durch die Glasfaçaden zu gleiten und der Tiergarten umschließt wohltuend das Regierungsareal. Die Verabredung mit MdB Peter Weiss eröffnete der Klasse 10c des Scheffel-Gymnasiums beeindruckende Innenansichten moderner Architektur und zur politischen Arbeit der Abgeordneten. Im Rund des Sitzungssaales für Arbeit und Soziales fragten die Schüler, wie Zuwanderung und Integration bewältigt werden können. Auch wollten sie wissen, welchem Ausschuss Herr Weiß angehöre und ob aktives Wahlrecht schon für ihre Altersgruppe vorstellbar sei.

Zur Geschichtsstunde ging es durch Kellerkorridore, vorbei an freigelegten Inschriften russischer Soldaten bei Kriegsende zum Plenarsaal und wir gelangten schließlich mit Aufzügen unter die gewaltige Glaskuppel des Reichstagsgebäudes. Hier oben liegt Berlin dem Betrachter ausgestreckt zu Füßen: im Westen die Zeltdacharchitektur des Potsdamer Platzes, im Osten die nüchternen Plattenbauten des Alexanderplatzes mit dem „Langen Lulatsch“ (Fernsehturm). Vom Brandenburger Tor folgt das Auge dem Boulevard „Unter den Linden“ zur Humboldt Universität und gegenüber zum August-Bebel-Platz, der an die Bücherverbrennung erinnert, dann hinüber zum Kaiser Dom. Daneben erdrückend nahe steht die marode Volkskammer der ehemaligen DDR, auf der anderen Seite beginnt mit der Alten Nationalgalerie die Museumsinsel. Überall werden die Brüche deutscher Geschichte sichtbar: die klassizistischen Bauten preußischer Machtentfaltung stehen neben der monströsen Plattenbauarchitektur des Kommunismus, die leeren Räume der ehemals geteilten Stadt schwinden zusehends im Bauboom wirtschaftlichen und politischen Behauptungswillens. Und dennoch übt sich der Berliner in Bescheidenheit, auf allen Verkehrswegen nimmt er noch gerne das Fahrrad mit.


Sonntag, 23. 06. 02 Abreise Lahr/Bahnhof: 9.06 Uhr (Wir treffen uns um 8.45 Uhr.)

Ankunft Potsdam: 15.58 Uhr (Frage nach S-Bahn Tageskarte für die Gruppe)

Quartiernahme im Gästehaus „Siebenschläfer“ Lotte-Pulewka-Straße 43 14473 Potsdam Fon: 0331/74 11 25 Fax: 0331/748 16 28

Ankunft in Potsdam: In Potsdam erwartet uns einer jener schmucken Einheitsbahnhöfe der Deutschen Bahn mit bunt-transparenten Plastikfiguren und drei farbigen Edelstahlkästen, die zur Mülltrennung einladen, dann die unvermeidliche Einkaufspassage mit Tschibo, Mediamarkt, Kaufland und Café – keine Pissecken, Sicherheitskräfte sorgen für Ordnung, „keine Koffer abstellen, einkaufen und weitergehen“, es lebe der Konsument.

Draußen ein Sommertag und unsere ersten Eindrücke von den Relikten des Sozialismus: Plakate mit „Wohnen in Potsdam!“ Potsdam wurde 2001 Bundesgartenstadt, die Anstrengungen sind überall sichtbar. Die trostlosen Hochhäuser haben Wärmedämmung erhalten, bunte Fensterrahmen und Grünanlagen, alles wirkt freundlicher. Davor in Bronze die „Gymnastin“ - der schöne sozialistische Einheitsmensch. Sport war das prestigeträchtige Aushängeschild des kommunistischen Staatswesens, und wir erinnern uns an die Erfolge der DDR bei Olympiaden.

Nach dem Abendessen in der Kantine von Herrn Schewe, im dritten Stock eines ehemaligen zentralen Produktauslieferungslager der DDR, mit viel Nudeln. Wir beziehen unsere Zimmer zu viert, zu sechst oder acht, Panik macht sich breit, die Mädchen erstellen den Duschplan. Dann beginnt unser Erkundungsspaziergang zum Havelufer.


Montag, 24. 06. 02 BERLIN 7.30 Uhr Frühstück 8.30 Uhr S-Bahn zum Potsdamer Platz

Berlin Berlins wechselhafte Geschichte Besuch: Landesvertretung Baden-Württemberg Herr Schoch: 10.30 – 11.30 Uhr Bahnhof Zoo, vom Tiergarten durchs Diplomatenviertel

Ein reichhaltiges Frühstücksbüfett im Gästehaus lässt selbst bei Morgenmuffeln keine Wünsche offen. Hier sei nur angemerkt, dass sich die Herren Brandt und Weingärtner eine halbe Stunde vor den anderen auf Kaffeesuche begaben.

Nach der S-Bahn Fahrt zum Bahnhof Zoo wollen wir unserer Landeskinderpflicht nachkommen und im Diplomatenviertel die Vertretung Baden-Württembergs besuchen. Hier ist eine Begegnungsstätte für Politik, Wirtschaft und Kultur entstanden und kann somit für die Interessen unseres Landes werben.

Schon der Eingangsbereich und später das Foyer empfangen den Besucher mit einem reizvollen Schauspiel aus Licht und Schatten, die von Zwischendecken und Oberlichtern hervorgerufen werden. Die beweglichen Wandelemente aus Kirschbaumholz lassen sich nach allen Seiten öffnen und machen das Haus flexibel für Empfänge, Ausstellungen und Veranstaltungen. Dem Architekten Dietrich Bangert ist es gelungen, fast unmerklich Verwaltungsbereich, Gästeräume und Großküche zu integrieren. Zu unserer Überraschung gibt es im Erdgeschoss sogar eine Weinstube mit Kachelofen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Brandenburger Tor Abholen der Museumspässe 27 x € 5 = € 135 Von Napoleon zum Deutschen Bund, Hitlers Machtzentrale Florian

Es wundert kaum, dass sich die Stadtlandschaft Berlins nicht als harmonisches Ganzes darbietet. Sie zeigt überall Sprünge, Risse, Gegensätzliches – geschichtliche Tragik und Glück liegen eng beieinander. Rapide Existenzwechsel haben Berlin hart zugesetzt: Von der preußischen Residenzstadt 1871 gleichsam über Nacht zur „Reichshauptstadt“ erhoben, nach der Monarchie Hauptstadt der Weimarer Republik, am Ende des Zweiten Weltkrieges fürchterlich zerbombt, nach 1945 Vier-Sektoren-Stadt, dann Land der Bundesrepublik und gleichzeitig Hauptstadt der DDR, durch Mauer geteilt, seit 1990 Bundeshauptstadt – es gab nie räumliche und kulturelle Beständigkeit. Hier lässt sich Geschichte erleben und nachvollziehen.

Unter den Linden/Brandenburger Tor

Das Brandenburger Tor 1791 wurde dieses Tor aus Elbsandstein als eines der 14 Tore Berlins gebaut. Drei Jahre später entwarf Gottfried Schadow die Quadriga, die den Triumph des Friedens darstellt. Durch den Mittelgang durften bis 1918 nur die königliche Familie schreiten. Mit dem „Triumph des Friedens“ war es jedoch nicht weit her. 1806 demonstrierte hier Napoleon seine Macht und marschierte mit seinen Truppen durchs Tor, 1848 tobte die Märzrevolution der Arbeiter und Handwerker, 1871 wurde der Sieg über Frankreich gefeiert, 1918 strömten die sozialistischen Revolutionäre in Richtung Stadtschloss, 1933 nutzten die Nazis es als Symbol ihres Herrschaftsanspruchs durch einen Fackelzug, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Brandenburger Tor zum Symbol der Teilung Deutschlands und Europas. Zwei Tage vor Weihnachten1989 öffnete sich das Tor auf den Druck der friedlichen Revolution der DDR Bevölkerung hin.

Unter den Linden’, Prachtboulevard Humboldt Universität, Bücherverbrennung Matthias

Das neue Hotel Adlon unweit des Brandenburger Tors und dem neuen Gebäude der Akademie der Künste bieten da schon interessantere Ausblicke auf großstädtisches Flair und zukünftiges Geschehen. Kunststudenten haben für jede Nation das Wahrzeichen der Stadt, den Berliner Bär, vielfältig gestaltet und diese „United Buddy Bear Party” der UNESCO betont Toleranz und friedliches Zusammenleben der Völker.

Noch wirkt der Prachtboulevard „Unter den Linden“ weitgehend leer und leblos. Berlins Mitte wird von den Einheimischen gemieden, hier wohnen und arbeiten noch zu wenig Menschen, damit urbanes Leben entstehen könnte.

Russische Botschaft

So erinnert das riesige russische Botschaftsgebäude im sozialistischen Stil eher an die Vergänglichkeit einer Supermacht. Nicht weit dahinter die Humboldt Universität,

Humbod Universität und Reiterstandtbild von Friedrich dem Großen 1810 gegründet vom Gelehrten Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835). Er war der Begründer des preußischen Unterrichtswesens mit dem Ziel, dass Bildung die Erzeugung eines Universums in der Individualität sei. Der Gelehrte war mit Goethe und Schiller befreundet. Viele Wissenschaftler wie Hegel, Fichte, Einstein, Virchow und Max Planck haben hier geforscht und gelehrt.

Es sei daran erinnert, dass Wilhelm von Humboldts Bruder, Alexander, zu jener Zeit bedeutende Forschungsreisen nach Südamerika und Asien unternahm. Seine Reiseberichte zeugen von universeller Bildung, über 900 Pflanzen wurden dokumentiert, viele Berge und Flüsse erhielten seinen Namen, wie zum Beispiel der Humboldt Strom.

Gegenüber der Humboldt Universität steht die 1780 fertiggestellte Staatsbibliothek, die Friedrich II. für seine Hofbibliothek (150.000 Bücher) bauen ließ. Sein Reiterstandbild, das während der DDR Zeit als verschollen galt, tauchte wieder auf und befindet sich jetzt restauriert wieder am alten Platz.

Die Staatsoper, die St. Hedwigs Kathedrale, die von Friedrich II. nach den Schlesischen Kriegen für die katholischen Neubürger gebaut wurde, und die Bibliothek umrahmen den Platz, an dem am 10. Mai 1933 Geist und Kultur in der unseligen Bücherverbrennung in Flammen aufging. Die Nazis verbrannten Tausende von Büchern der von ihnen geächteter Autoren: u. a. Erich Kästner, Karl Zuckmeier, Stefan Zweig, Thomas Mann. Zur Erinnerung ist in den Boden ein Raum mit leeren Bücherregalen eingelassen worden. Heute ist der Platz August Bebel gewidmet, der die sozialdemokratische Partei gründete und 1872 Widerstand gegen die preußische Monarchie leistete.

Pieta von Käthe Kollwitz Vor dem barocken Zeughaus, ehemals Ruhmeshalle der preußischen Armee und heutigem Deutschen Historischen Museum, steht die Neue Wache. Schinkels erstes Auftragswerk von 1818 dient als Mahnmal für die Gefallenen des Krieges mit Käthe Kollwitz trauernden Pieta.

Über die Schlossbrücke der Spree geht es vom „Prachtboulevard“ Unter den Linden, der ehemals vom Großen Kurfürst als Reitweg vom Schloss zum Jagdrevier Tiergarten angelegt wurde, hinüber zum ehemaligen Stadtschlossplatz.

Museumsinsel Picknick

Linker Hand liegt der preußische Lustgarten mit dem Alten Museum, 1830 von Schinkel im klassizistischen Stil errichtet, und gilt als einer der schönsten Museumsbauten des 19. Jhdts. Hier betritt man ein Kleinod Berliner Kultur, die Museumsinsel.

Es folgt das Neue Museum, das jahrzehntelang dem Verfall preisgegeben war. Hier sollen das Ägyptische Museum, jetzt noch in Charlottenburg, und das nicht weit entfernte Bode-Museum zusammengeführt werden. Die Alte Nationalgalerie ist der Malerei und Plastik des 19. Jhdts. gewidmet. Das Bodemuseum an der Nordspitze der Spreeinsel beherbergt gleich 7 Museen. Der Höhepunkt ist zweifellos das Pergamonmuseum mit einem 2000 Jahre alten Monumentalbauwerk und der berühmten Antikensammlung.

Berliner Dom, Stadtschloss, Palast der Republik Nahtstelle der Geschichte

Der Berliner Dom Der Stadtschlossplatz präsentiert sich als ein Platz sich wandelnden Zeitgeistes: Jeder Herrscher, jedes Regime verwirklichte hier seine eigenen ästhetischen Vorstellungen. Da gibt es den kupferfarbenen Palast der Republik, einst Tagungsort der DDR Volkskammer, respektlos nah an den Berliner Dom gerückt. Dieser wurde seit 1450 im Laufe der Jahrhunderte nach den Wünschen des jeweiligen Hohenzollern-Herrschers umgebaut. Darin findet sich die Gruft mit 97 Särgen des Herrschergeschlechts, u. a. des Großen Kurfürsten, König Friedrich I. und Kaiser Friedrich III. Etwa an dieser Stelle stand fast 500 Jahre das Stadtschloss der preußischen Könige und Kaiser. 1951 entschied sich die DDR Führung gegen eine Restaurierung und sprengte die Ruinen, um den gewonnenen Marx-Engels-Platz als Aufmarschplatz zu nutzen. Gegenüber dem Berliner Dom liegt der schon erwähnte Lustgarten. Der Maler Johann Erdmann Hummel malte 1831 die technische Meisterleistung und damalige Sensation einer riesigen Granitschale, auf deren polierter Oberfläche sich die Flaneure vor dem Stadtschloss spiegeln. (Neue Nationalgalerie, Berlin) Ein Beispiel meisterlicher Malerei, die durch Glanzpunkte und Lichtreflexionen das Sehfeld des Betrachters zu erweitern sucht. Heute erinnern die vielen Einschüsse auf der Schale und in den Säulen ringsum an den erbitterten Eroberungskrieg der roten Armee. Der Wiederaufbau des Stadtschlossfassade ist wohl beschlossene Sache, da aber der steinerne Koloss kaum zukunftsweisend für die Aufgaben eines neuen Berlins sein kann, wird das Innere als ein großes offenes Bürgerforum zur Anbindung des Ostteils Berlins geplant.

Spittelmarkt, Zentralkomitee der DDR Sozialistischer Deutscher Arbeiter- und Bauernstaat

Zugbrücke und Zentralratgebäude Vom Spittelmarkt wandern wir an der Spree entlang zum ehemaligen Zentralkommittee der DDR und über eine alte Zugbrücke (eines der wenigen Industriedenkmale) zum Staatsratsgebäude. Die „alte“ Machtzentrale wirkt allzu nüchtern und abweisend.

Checkpoint Charlie Doppelte Staatsgründung, Blockade, Sektoren, Kalter Krieg Markus

Sie verlassen den amerikanischen Sektor!

Wir stehen am Checkpoint Charlie, dem bekanntesten Grenzkontrollpunkt in Berlin. Im Oktober 1961 standen hier russische und amerikanischen Panzern gegenüber. Die Amerikaner traten vehement für die Rechte des Viermächtestatus und den freien westlichen Teil der Stadt ein.

Bild 14: Checkpoint Erinnerung an die Nachkriegswirren 1. Potsdamer Konferenz vom 28. 7. 1945 Das Abkommen im Schloss Cecilienhof legte fest, dass das Deutsche Reich von den Siegermächten besetzt werde und außerdem eine Entnazifizierung, eine Verfolgung der Kriegsverbrecher und eine Erneuerung des Erziehungswesens stattfinden musste. Reparationszahlungen wurden festgelegt, ein Drittel des Staatsgebietes ging verloren, der Rest wurde der Kontrolle der Alliierten unterstellt.

2. Berliner Blockade 1948 Berlin wurde in vier Sektoren geteilt und erst in der Londoner Sechs-Mächte-Konferenz konnten sich die Westmächte dazu durchringen, einen westdeutschen Staat zu gründen. Die sowietische Militärregierung reagierte mit einer Blockade West-Berlins. Gütertransporte auf Schiene, Straße und Wasserweg wurde gestoppt, die Versorgung mit elektrischer Energie unterbunden. Die Millionenstadt musste nun von Juni1948 bis Oktober 1949 über eine Luftbrücke versorgt werden, eine unglaubliche logistische Leistung. Die Luftbrücke war manchmal 400km lang, die Flugzeuge flogen im Abstand von 13,5 km, klappte der Anflug nicht, mussten die Piloten umkehren.

Checkpoint Am Museum Checkpoint Charlie Immer wieder gab es am Grenzkontrollpunkt Schlagzeilen zu geglückten Fluchtversuchen, aber auch zu dramatischem Scheitern. Das kleine Museum zeigt eine Isetta, die zu Fluchtzwecken umgebaut wurde. Umglaublich eng sieht das Versteck unter dem Reserverad eines VWs aus und Photos erinnern an Peter Fechter, der wenige Meter vor der Grenzlinie angeschossen verblutete. Die Absurdität des Mauerbaus wird lebendig. Familien wurden über Nacht getrennt. Tunnelbauten, U-Boote, Heißluftballons, Motordrachen zeugen von 5000 geglückten Fluchten. Vor dem Mauerbau waren von 1955 bis 1960 schon 1.340.878 Bewohner der DDR in den Westen geflüchtet. Die DDR-Regierung wandte sich nervös gegen die angeblich „verbrecherischen Abwerbe-aktionen“ des Westens, waren doch 50% der Flüchtlinge unter 25 Jahre. Mit dem Berlinbesuch Präsident Kennedys erreichten die politischen Auseinandersetzungen einen weiteren Höhepunkt. Auf der Moskauer Konferenz der Warschauer Pakt Staaten im Jahre 1961 wurden Absperrpläne Ost-Berlins beschlossen. In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 errichteten Volkspolizei und NVA entlang der quer durch Berlin verlaufenden Sektorengrenze Stacheldrahtverhaue und Steinwälle, die in der folgenden Zeit zu einer durchgehenden Mauer ausgebaut wurden. Der sogenannte antifaschistische Grenzwall, der durch Todesstreifen, Selbstschussanlagen und Minen unüberwindlich war, wurde durch Volkspolizisten mit „Schießbefehl“ bewacht. Mit dem Slogan „Wir sind das Volk“ erzwangen die DDR-Bürger am 9. Nov. 1989 die Öffnung der Mauer.

Niederkircher Straße Topographie des Terrors Nationalsozialistische Diktatur, Terror Teilung, Mauerbau Melanie

Triste Mauer – Erinnerung an Teilung der Stadt An der Niederkircher Straße hat die Mauer einen Straßenzug lang noch ihr bedrückendes Gesicht. Auf ihrer Rückseite hat man die Folterkammern der Gestapo freigelegt. Ein Museum zur Schreckensherrschaft des NS-Regimes ist hier im Bau.

Gegenüber dem preußischen Landtag steht das imposante Gropius-Gebäude, das an den Architekten und Begründer des Bauhaus in Dessau erinnert. Zusammen mit Mies van der Rohe entwickelte Gropius die moderne Architektur und den Funktionalismus (auch für Gebrauchsgeräte).

Bauboom Wir nähern uns dem Potsdamer Platz und können uns ein Bild machen vom gigantischen Bauboom im Zentrum Berlins.

Potsdamer Platz, urbanes Berlin Symbol der Moderne, Stadt, Vermassung, Industrie Umstrittene Demokratie, die ‚Goldenen Zwanziger’ Konstantin

Noch 1994 war der Potsdamer Platz ein riesiges Brachland mit Wohnwagen-Kolonien, den der Stararchitekt Renzo Piano (bei uns bekannt durch das Museum Fondation Beyeller) eine „Wüste voller Erinnerungen“ nannte. Bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war er einer der verkehrsreichsten Plätze Europas, er verband West und Ost und wurde zum Sinnbild von Hektik und Verstädterung der Moderne.

Erich Kästner beschrieb in seinem Gedicht „Besuch vom Lande“ die verstörten Besucher in der Stadt, die bei ihm aggressiv-belebte Züge bekommt:

Sie stehen verstört am Potsdamer Platz. Und finden Berlin zu laut. Die Nacht glüht auf in Kilowatts. Ein Fräulein sagt heiser. Komm mit, mein Schatz - Und zeigt entsetzlich viel Haut. Sie wissen vor Staunen nicht aus und nicht ein.. Sie stehen und wundern sich bloß. Die Bahnen rasseln. Die Autos schrein. Sie möchten am liebsten zu Hause sein. Und finden Berlin zu groß.

Es klingt als ob die Großstadt stöhnt, weil irgendwer sie schilt. Die Häuser funkeln.. Die U-Bahn dröhnt. Sie sind das alles so gar nicht gewöhnt, Und finden Berlin zu wild..

Sie machen vor Angst die Beine krumm.. Und machen alles verkehrt. Sie lächeln beherzt. Und sie warten dumm. Und stehn auf dem Potsdamer Platz herum, bis man sie überfährt.

Hier verlief ehemals die Reichsstraße nach St. Petersburg, eine Verbindung, die durch die Nachkriegsordnung der Sektoren, den Mauerbau und den Kalten Krieg nachhaltig unterbrochen wurde. Jetzt entsteht hier die neue Mitte: eine City in der City. Helmut Jahn entwarf das Sony Haus, in das die historischen Räume (Kaisersaal) des berühmten Hotels Esplanade integriert werden mussten, darunter verläuft der Tiergartentunnel.

Kuppel von Georgio Grassi Die runde Dachfassade von Georgio Grassi entworfen erinnert an den ehemaligen Vergnügungstempel Haus Vaterland mit seiner Kuppel und überspannt jetzt drei achtgeschossige Gebäudekomplexe mit Büros, Wohnungen, Restaurants und 6.500qm Ladenfläche sowie U-Bahneingänge.

Marlene Dietrich Platz, schrille Skulpturen vor urbanem Hintergrund: Elektronikgeschäfte, Saturn, IMAX, McDonald’s

16.00 Uhr MDB Peter Weiß Reichstagsbesichtigung Wiedervereinigung und deutsche Einheit Alina

Von hier ist es nur ein kurzer Fußweg zur neuen Machtzentrale des Vereinten Deutschlands.

Kanzleramt Wo einst die Mauer die Deutschen gewaltsam trennte und Brachgelände an den ehemaligen „Todesstreifen“ erinnern, reihen sich heute am Spreebogen entlang in moderner Architektur das Bundeskanzleramt, das Karl-Löbe-Haus für Abgeordnete, das Medienzentrum und ein wenig trutzig der Bundestag im Reichstagsgebäude. Weiter hinten glänzt das langgezogene Glasgewölbe des neuen Lehrter Bahnhofs in der Sonne. Im Karl-Löbe-Haus scheinen die Spreekähne durch die Glasfaçaden zu gleiten und der Tiergarten umschließt wohltuend das Regierungsareal. Die Verabredung mit MdB Peter Weiss eröffnete der Klasse 10c des Scheffel-Gymnasiums beeindruckende Innenansichten moderner Architektur und zur politischen Arbeit der Abgeordneten. Im Rund des Sitzungssaales für Arbeit und Soziales fragten die Schüler, wie Zuwanderung und Integration bewältigt werden können. Auch wollten sie wissen, welchem Ausschuss Herr Weiß angehöre und ob aktives Wahlrecht schon für ihre Altersgruppe vorstellbar sei. Zur Geschichtsstunde ging es durch Kellerkorridore, vorbei an freigelegten Inschriften russischer Soldaten bei Kriegsende, zum Plenarsaal und wir gelangten schließlich mit Aufzügen unter die gewaltige Glaskuppel des Reichstagsgebäudes.

Hier oben liegt Berlin dem Betrachter ausgestreckt zu Füßen: Bild: 26 Potsdamer Platz im Westen die Zeltdacharchitektur des Potsdamer Platzes, im Osten die nüchternen Plattenbauten des Alexanderplatzes mit dem „Langen Lulatsch“ (Fernsehturm). Vom Brandenburger Tor folgt das Auge dem Boulevard „Unter den Linden“ zur Humboldt Universität und gegenüber zum August-Bebel-Platz, der an die Bücherverbrennung erinnert, dann hinüber zum Kaiser Dom. Daneben erdrückend nahe steht die marode Volkskammer der ehemaligen DDR, auf der anderen Seite beginnt mit der Alten Nationalgalerie die Museumsinsel. Überall werden die Brüche deutscher Geschichte sichtbar: die klassizistischen Bauten preußischer Machtentfaltung stehen neben der monströsen Plattenbauarchitektur des Kommunismus, die leeren Räume der ehemals geteilten Stadt schwinden zusehends im Bauboom wirtschaftlichen und politischen Behauptungswillens. Und dennoch übt sich der Berliner in Bescheidenheit, auf allen Verkehrswegen nimmt er noch gerne das Fahrrad mit.

 

 

19.00 Uhr Rückfahrt mit der S-Bahn nach Potsdam 20.00 Uhr Abendessen

 


Dienstag, 25. 06. 02 POTSDAM – BERLIN

7.30 Uhr Frühstück 8.30 Uhr Sightseeing in Potsdam

Potsdam Themen Referenten

Nikolaikirche Vom Herzogtum Preußen zum Königsreich Preußen Maria

Am nächsten Morgen in Potsdam finden wir den Weg zum Alten Markt - am Bahnhof vorbei und über die Spreebrücke. Dort liegt liegt die Nikolaikirche mit ihrer mächtigen Kuppel vor uns.

Bild 29/30: Nikolaikirche Wilhelm IV, der Romantiker auf dem Thron, ließ sie in der ersten Hälfte des 19. Jhdts. nach Plänen von Friedrich Schinkel im klassizistischen Stil erbauen. Die Kuppel gleicht der von der St. Paul’s Cathedral in London. Die DDR rückte dem Dom wenig einfühlsam mit einer polytechnischen Hochschule auf den Leib. Vom Säulenportal ein Durchblick auf das schöne alte Rathaus. Das im 2. Weltkrieg zerstörte Potsdamer Schloss gegenüber soll wieder aufgebaut werden und dem Brandenburger Landtag dienen.

Friedrich Wilhelm I. (1713 – 1740) baute Potsdam konsequent zur Garnisonsstadt aus. Die dirigistische Wirtschaftsform des Merkantilismus, zielte darauf ab, die Camera, die Kasse des Königs reichlich zu füllen, damit ein stehendes Heer und ein ergebenes Beamtentum unterhalten werden konnte (wie heute).

Hugenottenkirche, Holländerviertel Friedrich Wilh. I, 1713-40, der ‚Soldatenkönig’ baute Potsdam zur Garnisonstadt aus. Grischa / Sandra Im Gegensatz zu seinem Vater lehnte Friedrich Wilhelm I. das aufwendige pompöse Hofleben ab und führte einen einfachen vom Pietismus geprägten Hof, in dessen Mittelpunkt die Arbeit im Kabinett für den Staat stand. Um sich und sein Land gegen die Großmächte behaupten zu können, baute Friedrich Wilhelm ein großes stehendes Heer von 80.000 Mann auf, zu dessen Unterhalt Wirtschaft und Verwaltung entscheidend beitrugen. Brandenburg-Preußen erhielt somit eine deutlich militärische Ausrichtung, in seiner Regierungszeit bildete sich die Klasse des „typisch preußischen“ pflichtbewussten, unbestechlichen Staatsbeamten heraus.

Der Soldatenkönig wird von Zeitgenossen als sehr eigenwilliger Charakter jenseits der üblichen Normen für ein Herrscheramt beschrieben: ein Despot und ein Ekel, polternd, ungebildet, ohne Geschmack, Esprit und feinere Lebensart, aber ein Mann mit riesiger Arbeitskraft, einem ungeheuren Herrscherwillen und Tatendrang, verantwortungsbewusst und gottesfürchtig, brutal und überheblich, sparsam und streng – Preußens preußischster König, ein schrecklicher Vater, Zwingherr einer unter Stockschlägen gedrillten Armee, Monarch von Gottes Gnaden über ein Volk, das widerspruchslos zu gehorchen hatte, einer der größten Erzieher aller Zeiten.

Die Wirtschaft Zum Langen Kerl erinnert an die Vorliebe des Soldatenkönigs, möglichst viele großwüchsige Söldner für seine Armee zu gewinnen, die ohne Mühen die riesigen Vorderlader bedienen konnten, zu Pferde jedoch oft eine lächerlich ungelenke Figur abgaben.

Klein Amsterdam Der König war auf einer Bildungsreise so angetan vom Reichtum Hollands, dessen bürgerliche Gesellschaft von der Arbeitsethik des Calvinismus geprägt war, dass er 59 Giebelhäuser aus rotem Backstein bauen ließ, um tüchtige niederländische Handwerker anzulocken.

Heute werden sie liebevoll renoviert und nette kleine Geschäfte bieten Spielzeug aus dem Riesengebirge an oder werden als Töpfereien und Galerien genutzt.

Überhaupt siedelte der König internationale Volksgruppen an, wenn es ihm wirtschaftlich vorteilhaft erschien. Die „Greencard“ wurde nicht diskutiert. Stattdessen forderte er Toleranz: „Jeder mag nach seiner Façon selig werden“ und nahm 500 Hugenotten aus Frankreich auf (eine Hugenottenkirche ist beredtes Zeugnis davon), baute Wohnungen für 500 Lütticher Gewehrfabrikarbeiter und die entsprechende katholische Kirche dazu, warb 100 polnische Tuchmacher aus Lezno an und gewährte lutherischen Pietisten mit ihrer sozialreligiösen Reformbewegung Asyl. So entstand auch bald ein Haus für verwaiste Soldatenkinder, dessen Belegschaft von 173 rasch auf 1400 anstieg. Wenige Väter gab es, aber viele Zuchtmeister mit Stöcken und soldatischem Drill.

Brandenburger Tor Jeder ist der Diener seines Staates. Victor

Brandenburger Straße Brandenburger Straße (die Hauptausfallstraße) mit Brandenburger Tor. Auch heute noch ist überall ist das Bemühen sichtbar, das Wirtschaftsdebakel des Sozialismus zu überwinden. Viele Häuser sind noch renovierungsbedürftig und einige Fenster noch mit Brettern vernagelt. Die weißen Soldatenhäuser zeigen die strengen Bauvorschriften des Königs: Gebäudegröße, Raumaufteilung und Fenstergrößen weisen auf die ehemaligen Bewohner hin. In jedem Zimmer gab es Platz für die Betten von 4 langen Kerls, die sich nach Dienst an ihren Spinnrädern nützlich machen mussten. Es galt die Parole: Jeder ist Diener des Staates.

Das Brandenburger Tor wurde in Anlehnung an die römischen Triumphtore im 19. Jhdt. gebaut, rechts und links schloss sich eine 3,70m hohe Stadtmauer an, um den Soldaten, die der Strenge überdrüssig waren, das Desertieren zu erschweren. Die Husaren waren auch nachts in Bereitschaft, Deserteure einzufangen, die dann bis zum Umfallen Spießruten laufen mussten.

10.30 Uhr Führung Schloss Sanssouci 40 Minuten (€ 8) Friedrich II, der Große, Schöngeist und Feldherr Sarah

Schloss Sanssouci Friedrich II., der Große (1712 – 1786), gilt als der bedeutendste Fürst des aufgeklärten Absolutismus im Europa des 18. Jhdts. Er war hoch begabt, hatte im Gegensatz zu seinem soldatischen Vater eine Vorliebe für das höfische Leben, für die Musik und die französische Literatur und zeigte sich den Ideen der Aufklärung gegenüber sehr aufgeschlossen. Sein Vater brachte den Interessen seines Sohnes keinerlei Verständnis entgegen, ließ ihn asketisch und mit militärischer Strenge erziehen. Die Differenzen zwischen Vater und Sohn fanden 1730 ihren Höhepunkt in einer versuchten Flucht des achtzehnjährigen Friedrichs nach England; der Fluchtversuch scheiterte jedoch. Friedrich kam in Küstrin in Festungshaft, wurde zeitweilig seines Status als Kronprinz enthoben und gezwungen, der Hinrichtung seines Freundes und Fluchthelfers Hans Hermann von Katte beizuwohnen. Nachdem er 1732 einer Heirat mit der ungeliebten Elisabeth Christine, der Tochter Ferdinand Alberts II. von Braunschweig zugestimmt hatte, war der Konfilikt mit dem Vater nach außen hin bereinigt und Friedrich wurde als Kronprinz rehabilitiert. Von 1736-1740 lebte er mit eigener Hofhaltung auf Schloss Rheinsberg, wo er sich dem Studium der Philosophie und der Geschichte sowie der Literatur widmete. Nach dem Tod seines Vaters 1740 übernahm Friedrich den preußischen Thron. Überraschender weise begann er unverzüglich mit dem Ausbau der preußischen Machtstellung. Ebenfalls 1740 wurde Maria Theresia nach dem Tod ihres Vaters Kaiser Karl VI. Erzherzogin von Österreich. Friedrich forderte von Österreich sogleich unter dem Vorwand bestehen-der preußischer Teilansprüche die Abtretung Schlesiens an Preußen. Nach der österreichischen Ablehnung marschierte Friedrich in Schlesien ein und Iöste damit den 1. Schlesischen Krieg aus, der sich bald zum Österreichischen Erbfolgekrieg ausweitete. Nach den preußischen Siegen 1741 bei Mollwitz und 1742 bei Chotusitz musste Maria Theresia im Frieden von Breslau Schlesien an Preußen abtreten. 1744 erwarb Friedrich Ostfriesland, nachdem das dortige Herrscherhaus ausgestorben war. Ebenfalls 1744 löste Friedrich den 2. Schlesischen Krieg mit Österreich aus, den er 1745 für sich entscheiden konnte und mit dem er Schlesien für Preußen sicherte; im Gegenzug erkannte er Maria Theresias Gemahl Franz I. als Kaiser an. In diesen beiden schlesischen Kriegen hatte sich Friedrich als fähiger Feldherr erwiesen, der sich wenig um Völkerrechte scherte; es war ihm gelungen, die Machtstellung Preußens im Reich, besonders gegenüber Österreich, auszubauen Der Aufstieg zur Großmacht war begleitet von einem intensiven Ausbau von Verwaltung und Wirtschaft. Er regierte absolut mit Hilfe seiner Kabinettsräte und war sowohl humanitären Ideen und der Wohlfahrt seines Volkes als auch der Staatsraison verpflichtet, die im Zweifelsfall, wie bei seiner Machtpolitik gegenüber Österreich, immer den Ausschlag gab; er überprüfte auf zahlreichen Inspektionsreisen die Durchführung seiner Anordnungen. Friedrich förderte zeitlebens Kunst und Wissenschaft. Während seiner Regierungszeit wurde die Preußische Akademie der Wissenschaften zu einem Zentrum für Forschung und Lehre. Gleich nach seinem Regierungsantritt lud Friedrich Voltaire und andere französische Aufklärer ein. In Potsdam ließ Friedrich durch seinen Hofarchitekten von Knobelsdorff Schloss Sanssouci sowie das neue Palais errichten, und in Berlin baute er als Ausdruck seiner religiösen Toleranz die katholische Hedwigskirche.

Schloss Sanssouci Mit seiner Sommerresidenz vor den Toren Berlins unterstrich Friedrich Mitte des 18. Jhdts. den Großmachtanspruch Preußens. Nach eigenen Entwürfen mit dem Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorf ließ er den Ort planen, an dem er „ohne Sorgen“ privat leben konnte. Repräsentativ, aber nicht protzig, sollte das Schloss mit Gartenlandschaft und Weinbergterrassen ein Meisterwerk des Rokoko werden. Eigensinnig und anmaßend verwehrte der König seinem Architekten, das Schloss an den vorderen Rand der Terrasse zu rücken und um einiges anzuheben. Zeitgenossen spotteten, „das Schloss schaue aus, als sei es im Nilschlamm versackt.“

Große Fontäne Eine Niederlage musste der König jedoch hinnehmen, als er die große Fontäne vor den Terrassen nicht zum Springen brachte. Mühlen sollte das Havelwasser in den Wasserturm auf dem Berg pumpen. Vergebens, der Druck reichte nicht. 60 Jahre später nutzte Wilhelm IV. die Dampfmaschine, um das Werk zu vollenden. Er kleidete die Pumpen in eine maurische Moschee, mit einem Minarett als Schornstein. Das Innere der Maschinenhalle war der Kathedrale von Cordoba nachempfunden.

Der franz. Philosoph Voltaire, der die Ehre hatte drei Jahre bei Friedrich II. zu wohnen, sagte über ihn, er arbeite frisch, leicht, flink, - begreift, was man ihm sagen will, beim ersten Wort, - hört und begehrt keinen Rat, duldet keine Einwände, sticht den, der ihm missfällt, behandelt fast alle Welt wie Sklaven.“

Das Schloss zeigt des Königs Faible für Sandsteinfiguren.

Gitterlaube mit betendem Knaben So gibt es von Friedrich II. ein höchst widersprüchliches Bild: Er fördert Wissenschaft und Kunst - und unterhält ein 90.000 Mann starkes Heer, dazu fünf Schwadronen Husaren, er erhebt zum Erschrecken aller Anspruch auf Schlesien und baut prahlerisch Schlösser, für seine Beamten gibt es keine Gehaltserhöhung, dafür lässt er das Oderbruch trockenlegen und trotzt dem Meer Land durch Dämme ab, äußerst despotisch verwehrte er Reisen, die er nicht ausdrücklich selbst erlaubte und mit abgezähltem Reisegeld versah, ungehobelt verachtete er Frauen – oft politisch unklug, da die führenden europäischen Nationen von Katharina der Großen, Marie Antoinette und Maria Theresia regiert wurden.

Als den König das Klappern der benachbarten Mühle störte, versuchte er den Müller zu vertreiben. Als dieser sich mit dem Hinweis auf das preußische Recht weigerte, das Feld zu räumen, imponierte das dem König so sehr, dass er einlenkte.

Allmählich wuchs der harmonische Schlosspark mit Hilfe des berühmten Gartenarchitekten Lennée zur stattlichen Größe von 287 Hektar an mit einer 2,5 km langen Wegachse und skulpturengeschmückten Rondellen, so dass er von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde und im Jahre 2001 Teil der Bundesgartenschau wurde.

12.30 Uhr Führung Neues Palais 60 Minuten (€ 5) Prahlerei und Sparsamkeit Führung

Bild 35: Friedrichs Neues Palais Als Friedrich nach dem dritten Schlesischen Krieg nur durch den Tod der Zarin Katharina der Großen von einer Niederlage verschont blieb, verfiel er in Prahlerei und baute für die unvorstellbare Summe von 1 Million Goldtaler ein riesiges Schloss mit 491 Sandsteinfiguren und ebenso vielen Putten.

Wirtschaftstrakt und Schlosshof Schon damals war es kaum mit Leben zu füllen und unpraktisch. Vom Wirtschaftsgebäude auf der Rückseite musste das Essen zu den Empfangssälen über den weiten Hof getragen werden, wahrscheinlich war es dann schon kalt. Wilhelm II. gefiel (mehr als ein Jahrhundert später) diese Machtentfaltung so sehr, dass er es modernisierte und Toiletten und Bäder einbauen ließ. Heute beherbergt das Wirtschaftspalais einige Fakultäten der Uni Potsdam.

Berühmt ist der Grottensaal, der im Stile der Romantik Natur und Architektur verschmelzt. 20.000 verschiedene Mineralien, Gesteine, Fossilien, Edelsteine, Ammoniten, Berggold, Quarzchristalle, Marmor und Tropfsteinimitate zieren den Saal.

Am Ende der Führung schlufften die Jungen schon ungeduldig auf den Schlossböden umher, es blieb gerade einmal eine halbe Stunde Zeit, um einen Potsdamer Bildschirm zu ergattern: Fußballweltmeisterschaft: Deutschland – Süd-Korea Zielstrebig bestiegen alle die nächsten Busse, und so landete eine Gruppe bei einer italienischen Gaststätte am Potsdamer Brandenburger Tor. Hier hatte Florian das harte Los, sich bei jedem Aufschrei der Fans in das überfüllte Lokal zu zwängen, den Grund des Aufruhrs zu erkunden, um dann draußen bei den Gartentischen Herrn Weingärtners schwache Nerven zu beruhigen. Gut, dass Ballack ihn dann schließlich erlöste. Die Flaggen schwenkenden Autokorsos begannen ihr Hupkonzert und unser Wettbüro wurde eröffnet: Herr Brandt verlor zwei Euro, weil sein Tipp auf ein innerdeutsches Finale „Deutschland – Türkei“ nicht zustande kam. Der glückliche Gewinner von 24 Euro war Dirk.

16.00 Uhr Rückfahrt zum Gästehaus 17.00 Uhr Abendessen

18.00 Uhr Fahrt mit der S-Bahn nach Berlin, Zoologischer Garten 20.00 Uhr Theater des Westens, Musical „EVITA“


7. Mittwoch, den 26. 06. 02 BERLIN

30 Uhr Frühstück 8.30 Uhr S-Bahn zum Bahnhof Friedrichstraße

Berlin Themen Referenten Bahnhof Friedrichstraße Palast der Tränen Grenzschikane in DDR-Zeiten Lilia

Der Bahnhof Friedrichstraße war der Ausgangspunkt unseres Tages. Von diesem früheren Zentralbahnhof reisten Marlene Dietrich und Charlie Chaplin ins ferne Amerika ab, hier kreuzen Fernbahnen, S- und U-Bahn. Zur Zeit der Teilung wurde er zum äußerst streng bewachten Grenzübergang, an dem sich täglich tausendfach der Trennungsschmerz bei Passierscheinbesuchern entlud. Bild DIA: Palast der Tränen Wer wie Herr Weingärtner in DDR-Zeiten noch stundenlang in der Abfertigungsschlange im Palast der Tränen gewartet hat, ist die Willkür der Grenzer und die Ohnmacht der Besucher noch frisch in Erinnerung. Hochziehen der Augenbraue, Lachen oder flotte Bemerkungen führten oft zu unerbittlicher Ablehnung, und zwangen zu erneutem Anstellen an einem anderen Grenzübergang.

Mit Überschreiten der Weidendammbrücke, die noch immer ein schmiedeeiserner preußischer Adler von Schinkel ziert, nähern wir uns der traditionell proletarischen Spandauer Vorstadt, wo Berthold Brecht am Berliner Ensemble 1949 zu Weltruhm kam.

Tacheles (DIAs) Am Oranienburger Tor landen wir unverhofft auf dem schrillen Hinterhof des Tacheles, jiddisch „Klartext“. Zur Jahrhundertwende war es ein riesiges Passagenkaufhaus, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde und daher abgerissen werden sollte. Das Eisengerippe erwies sich als äußerst widerstandsfähig und wurde daraufhin von Hausbesetzern erobert. Bald setzte sich die alte Tradition des Stadtteils fort, unterschiedlichen sozialen und weltanschaulichen Gruppen, Aussteigern, Ganoven und Gestrandeten, mit größter gegenseitigen Akzeptanz eine alternative Begegnungsstädte, Nische und Milieu zu bieten.

Hier tobten sich Kunstaktivisten aus, Hip-Hop Künstler und Sprayer fanden ungeahnte Möglichkeiten – sie waren unverzichtbarer Teil heutiger Großstadtkultur.

Noch heute finden sich hier kleine Galerien, alternative Theater, Nachtcafés und Kellerkneipen.

Oranienburger Straße Neue Synagoge Hackesche Höfe Jüdisches Leben in Berlin Vitali

Neue Synagoge Nicht weit hinter Tacheles leuchtet golden die Kuppel der Neuen Synagoge, die durch das beherzte Eingreifen eines Wachmannes vor dem Niederbrennen in der Pogromnacht bewahrt wurde. Der Krieg zerstörte sie dennoch. Heute ist der verbliebene Eingangsbereich das Zentrum Judaicum, dessen Ausstellung an die frühere Vielfalt jüdischen Lebens erinnert.

Alexanderplatz und Langer Lulatsch Julia

Bald erreichen wir den Alexanderplatz: Hier türmen sich wie in „Legoland“ die nüchternen sozialistischen Hochhäuser auf. Die zugige Weite des Platzes lässt die Menschen klein und verloren erscheinen. Die Wabenstruktur des Kaufhofs erinnert noch an die 60er Jahre.

Dahinter steht dann der 365m hohe Fernsehturm, der einen grandiosen blick über berlin bietet, so dass sich ein Ausflug in das kugelrunde rotierende Aussichtscafé besonders lohnt.

Jüdischer Friedhof

Auf dem jüdischen Friedhof Nach Kurzer U-Bahnfahrt besuchen wir den jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee, er ist einer der ältesten in Berlin. Männer dürfen ihn nur mit Kopfbedeckung betreten. 1827, als er angelegt wurde, lag er noch vor der Stadt. Hier fanden 28.000 Menschen bis 1942 ihre letzte Ruhestätte, u. a. der Maler Max Liebermann und der Verleger Leopold Ullstein. Der sichtbare Verfall zeugt erschütternd vom Auslöschen der jüdischen Gemeinde, die im Jahre 1925 noch 173.000 Menschen zählte. Wir erinnern uns an die Vertreibung der jüdischen Mitbürger in unserer badischen Heimat, in der es auch lange dauerte, bis die Menschen sich an dieses schreckliche Geschehen erinnern mochten. Da sind die Friedhöfe in Schmieheim und Nonnenweier beredte Zeitzeugen, und die Synagogen in Kippenheim und Altdorf, die lange als Futtermittellager und Möbelablaugerei dienten, haben heute ein würdigeres Aussehen bekommen.

Prenzlauer Berg Husarenstraße Arbeiterviertel Käthe Kollwitz Dirk

Die Erfinder der Mietskasernen prägten den vor den Toren Berlins gelegenen Arbeiterstadtteil Prenzlauer Berg. Hier entstanden 1862 Wohnanlagen mit winzigen dunklen Hinterhöfen, ohne Bad und Innen-toiletten. Außenklos befanden sich auf den Zwischenstockwerken und stinkende Ofenheizung war die Regel. Bei der Eingemeindung 1920 war der Stadtteil Prenzlauer Berg das dichtbesiedeltste Stadtviertel der Welt. Auf zehn Quadratkilometern drängten sich 316.000 gemeldete Einwohner. Heute leben immer noch 148.000 Menschen hier.

Am Käthe-Kollwitz Platz erinnert „Die Sitzende“ an die Künstlerin, die 1891 bis 1943 das Elend der Menschen als Künstlerin dokumentierte. Hier treffen sich mit großer Toleranz Familien, Jugendliche und Aussteiger aus dem Kiez, wie die Berliner ihr Stadtteil nennen. Ringsherum gibt es gemütliche Straßencafés, Kneipen und eine bunte Szene. Hier kosten die Schrippen noch 25 Pfennig und die Berliner heißen zu Herr Brandts Erstaunen Pfannkuchen.

In der Husarenstraße finden wir die Vorzeigewohnungen von Arbeiterfamilien, die hier oft mit acht Kindern in zwei Zimmern lebten. In den Räumen muss qualvolle Enge geherrscht haben, wenn zehn Personen hier arbeiteten, kochten, aßen, sich wuschen und schliefen. Die Husarenstraße wurde noch zu Honeckers Zeiten im Jahre 1987 als rühmliches Beispiel proletarischen Kiezlebens renoviert. Erstaunlich wie großzügig die Alleestraßen angelegt sind, beidseitig können PKWs bequem quer parken und auf dem Gehsteig ist genug Platz für Fahrradfahrer und Kinderwagen. Auf dem Berg gab es schon immer einige Brauereien, da eine „Molle“ des Berliners Lieblingsgetränk ist. Die Schultheiß ist heute eine bekannte Kulturbrauerei mit großartiger Musikszene und Theater im Kesselhaus.

Unser Sammelplatz – die U-Bahn an der Schönhauser Allee, vier Haltestellen zum Bahnhof Friedrichstraße. Nach der anstrengenden Stadtwanderung war unsere Schifffahrt mit dem Spreedampfer unter den Brücken des historischen und modernen Berlins eine wohltuende Erholung. Bild 43: Kanzleramt Aus der Flussperspektive zeigt sich die Hauptstadt von einer besonders schönen Seite: lautlos ziehen Humboldthafen, Regierungsviertel, Bild 42: Lehrter Bahnhof, das Haus der Kulturen im Tiergarten, Schloss Bellvue - der Amtssitz des Bundespräsidenten – das Hansaviertel und Schloss Caharlottenburg an uns vorbei – und überall finden sich sonnige Plätze für Erholungssuchende.

17.00 Uhr Rückfahrt zum Gästehaus 18.00 Uhr Abendessen

19.00 Berichte schreiben

Donnerstag, den 27. 06. 02 BERLIN

7.30 Uhr Frühstück 8.30 Uhr S-Bahn zum Potsdamer Platz und andere

Berlin

Museumsbesuch Morgens Besuch eines Museums nach Wahl

Die Berliner Staatlichen Museen sind das Ergebnis einer jahrhundertelangen Sammeltätigkeit. Schon 1797 unter König Friedrich Wilhelm II verwirklichte man die Idee, Kunstwerke der Antike und der Neuzeit zu verbinden, was vor allem auf der Museumsinsel bestaunt werden konnte. Der Zweite Weltkrieg brachte einen unerhörten Rückschlag. Ab Mitte der 50er Jahre führten die westlichen Alliierten die von ihnen „verwahrten“ Kulturgüter nach West-Berlin zurück, ebenso gelangten jene der Sowjetunion zurück nach Ost-Berlin. In beiden Teilen der Stadt entwickelte sich eine eigene Museumslandschaft mit 167 Sammlungen und 700 Galerien. So lag es nahe, einen Morgen zu nutzen, ein Museum unserer Wahl zu besuchen. Herr Weingärtner begleitete eine große Jungengruppe zum Deutschen Technikmuseum, wo das Phänomen optischer Täuschung besonders Anklang fand und die ersten Computer bestaunt werden konnten.

Alte Nationalgalerie Eine kleine Gruppe mit Herrn Brandt widmete sich der Alten Nationalgalerie, die in neuem Glanz erstrahlt. Mit Rekordern um den Hals hatte jeder von uns die Wahl, sich nach Eingabe einer Ziffer Bild und Meister erklären zu lassen. So erwachten für uns die Werke von Caspar David Friedrichs, Ludwig Thoma oder Lovis Corinth zu neuem Leben und uns wurde Paul Cezannes Bedeutung für die moderne Malerei erklärt.

Pergamon Museum Vorbei an Trödlerständen mit russischen Militärmützen, wo Florian sogar ein deutsches Flaggentuch erstehen konnte, ging es gemeinsam in die Antikensammlung, wo wie eine Stunde lang Monumentalbauten griechischer, ägyptischer und babylonischer Hochkulturen bestaunen konnten. Die handwerkliche Meisterleistung der bis zu drei- bis viertausend Jahre alten Exponate ist einfach überwältigend: etwa der marmorne Pergamonaltar mit seinen Friesen zum Kampf der Götter gegen die Giganten, das Markttor der römisch-hellenistischen Hafenstadt Milet zeugt in Größe und Dekor von der Handelsblüte an der Küste Kleinasiens und Teile der Prozessionsstraße Babylons mit Löwen aus glasierten Ziegeln führen zum Ischtar-Tor, das Drachen- und Stierbilder der Götter zeigt. Deutet der biblische „Turmbau zu Babel“ auf Macht und Reichtum der assyrischen Herrscher?

Stadt der Kontraste Stadt der Kontraste, mit der S-Bahn unterwegs Martin, Christian, Sven

Natürlich drängt es den eingefleischten Wessi, und das sind wir nun einmal, zum Kudamm (Kurfürstendamm). Gleich gegenüber vom Bahnhof Zoo(logischer Garten), der jetzt auffällig „clean“ ist, zieht es uns nicht etwa in den Tierpark, sondern in die riesige Konsumlandschaft, die kaum Wünsche unerfüllt lässt. Die Klassengemeinschaft hielt dem unwiderstehlichen Sog nicht lange stand und zerfloss in Grüppchen.

Am Hohlen Zahn, der zerbombten Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche, vorbei sind es nur wenige Minuten zum größten Kaufhaus des Kontinents, dem KaDeWe (Kaufhaus des Westens). Weingärtner/Brandt zog es zu der 125.000 Euro teuren Recorderanlage, später zu der endlosen Kuchentheke, und zum Abschluss feierten die beiden den Abschluss der Studienfahrt der Klasse 10c mit Rindsroulade, Rotkohl und Kartoffelpüree unter den künstlichen Palmen des KaDeWe.

18.00 Uhr Abendessen 19.00 Uhr Packen und Zimmer aufräumen Freitag, 28. 06.02 Heimfahrt

5.45 Uhr Aufstehen und frühstücken 6.30 Uhr Fußweg zum Bahnhof 6.54 Uhr Abfahrt Potsdam 13.57 Uhr Ankunft in Lahr


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