LAHR. Vor allem Schüler
der Mittel-und Oberstufe nutzten am Mittwoch- abend im Scheffel-Gymnasium
die Möglichkeit, sich über die Fragen "Wer macht Politik? Was macht
die Politik?" zu informieren. Im Rahmen der 200-Jahr-Feiern war es den
Veranstaltern gelungen, bis auf den erkrankten Peter Weiß (MdB) alle
Landtags- und Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises an einen Tisch zu
bekommen.
Geleitet wurde die Diskussion
von Wolfgang Schwab, Lehrer für Französisch, Geschichte und Politik, der
mit der Frage nach dem Frauenanteil in der Politik die reine Männerriege
auf dem Podium zu ersten Stellungnahmen einlud. Alexander Bonde, Mitglied
der Bundestagsfraktion der Grünen, Peter Dreßen, MdB der SPD, Helmut Rau,
CDU-Landtagsabgeordneter und Staatssekretär im Kultusministerium, und
Walter Caroli, der als Landtagsabgeordneter und Stadtrat für die SPD auf
dem Podium saß, bezogen jeweils deutlich Position für ihre Parteien und
deren Politik, doch zu einer echten Diskussion, bei der die verschiedenen
Standpunkte sich in einem Streitgespräch hätten bewähren müssen, kam es
bei keinem der Diskussionspunkte.
Aufmerksam zuhören mussten die
Jugendlichen im Publikum, denn das Bekenntnis der SPD-Vertreter zur
Frauenquote und die Ablehnung Raus zu diesem Regelungsinstrument oder später
die feinen Unterschiede zwischen Direktmandat und der Wahl über eine
Parteiliste setzten doch einige Vorkenntnisse voraus. Deutlich nach
"Lehrplan" klang die Frage, wie Helmut Rau, der als Abgeordneter
und Staatssekretär Vertreter der Legislative der Exekutive zugleich ist,
mit diesem Umstand umgehe. Rau sah darin eher eine nützliche Verbindung als
einen Konflikt.
Die Frage nach dem Alltag der
Berufspolitiker, nach dem Spagat zwischen Wahlkreis und der Präsenz im
Bundes-oder Landesparlament konnten die Politiker konkreter beantworten. Von
der großen Arbeitsbelastung erzählten sie, aber auch vom Spaß, den sie am
politischen Gestalten haben. Nach über einer Stunde waren dann Fragen aus
dem Publikum zugelassen. Nachdem zunächst von Eltern- und Lehrerseite
Nachfragen nach Frauen- und Bildungspolitik gestellt wurden, trauten sich
auch die Schüler aus der Reserve. Fragen nach der Zuwanderungspolitik, nach
den Ursachen für den Erfolg radikaler Parteien bei den letzten Wahlen oder
nach den politischen Konzepten im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zeigten
das breite Interessenspektrum der Jugendlichen.
Bei der Frage, wie man Jugendliche für
Politik interessieren könne, verwiesen alle Redner auf die
Jugendorganisationen der Parteien, die "besser sind als ihr Ruf"
(Bonde). Helmut Rau forderte mehr eigenes Engagement der Jugendlichen ein,
gab allerdings zu, dass "politische Debatten für Neueinsteiger nicht
der Knaller" seien. An die Adresse der eigenen Politiker-Zunft
gerichtet sagte er: "Uns muss man in die Pflicht nehmen, ihnen als vernünftige
Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen". Dafür, so Schulleiter
Fritz Godenschwege zum Schluss, soll auch im nächsten Jahr wieder bei einer
politischen Diskussion im Scheffel Gelegenheit sein.