Bücherschätze im Scheffel-Gymnasium
Das Besondere an der Lehrerbibliothek

Von Gerhard Schächtele

Aktualisiert: 15.4.2006


Hier werden Sie in loser Folge Schätze aus der Lehrerbibliothek genauer kennen lernen können:

"Remberti Dodonaei medici de stirpium historia commentariorum imagines"

Naturgeschichte der Pflanzen von Rembert Dodonäus


Lahrer Zeitung vom 13.11.2004 (PDF)

Badische Zeitung vom 13.11.2004 (PDF)


Die Anfänge der Lehrerbücherei des Scheffel-Gymnasiums

Die Geschichte der Lehrerbücherei unserer Schule bildet nicht nur ein interessantes Kapitel der Schulgeschichte, sondern sie ist auch Teil der Regionalgeschichte, wie sie sich am Anfang des 19. Jahrhunderts zur Zeit der Säkularisierung ähnlich sicher auch an anderen Orten abspielte.

In Jahre 1804 war die Herrschaft Lahr Baden einverleibt worden, und unmittelbar danach kam es in Lahr zur Gründung eines staatlichen "Paedagogiums", d. h. einer höheren Schule oder eines Gymnasiums, wie wir heute sagen. Als Tag der Einweihung hatte man den 23. November  und damit den Geburtstag des Kurfürsten Karl Friedrich (des späteren Großherzogs) gewählt.

Das (zunächst nur aus 3 Mitgliedern bestehende) Lehrerkollegium war von Anfang an bemüht, die neue Anstalt mit einer Bibliothek auszustatten, 

die wissenschaftliches Arbeiten ermöglichte. Als glücklicher Umstand kann ihm hierbei zu Hilfe, dass das in der Nähe liegende Benediktinerkloster Ettenheimmünster 1803 säkularisiert d. h. aufgehoben und in Staatsbesitz überführt worden war. Seitdem war man dort damit beschäftigt, die umfangreiche Klosterbibliothek (über 20.000 Bände) zu sichten und zu verteilen. 

Dies war auch den Lahrer Lehrern nicht verborgen geblieben. Diese richteten nun gleich nach Eröffnung der Schule die Bitte an die (kirchliche!) Aufsichtsbehöre, einige Bücher aus dem Bibliotheksbestand als Grundstock einer Bücherei nach Lahr holen zu dürfen. Dort war man zwar der Meinung, "dass in einer Klosterbibliothek wohl alte und für die Gelehrsamkeit wohl schätzbare, aber nicht für die Pädagogik geeignete Werke sich vorfinden." Trotzdem unterstützte man die Bemühungen der Lahrer Lehrerschaft und wies den Bibliothekar der Universitätsbibliothek Heidelberg (der die Auflösung überwachte) an, eine geeignete Auswahl zu treffen. 

Mit diesem Verfahren war die Lahrer Lehrerschaft aber überhaupt nicht einverstanden; sie wollte bei der Auswahl selbst mitwirken. So fuhr man dehalb im Frühjahr 1805 nach Ettenheimmünster und wählte etwa 650 Bücher aus, die bis zur Fertigstellung eines Gesamtverzeichnisses allerdings noch nicht mitgenommen werden durften. 

Ein Jahr lang hörte man nichts mehr. Im Frühjahr 1806 reiste man deshalb erneut nach Ettenheimmünster, weil man meinte, das Büchereiverzeichnis müsse doch inzwischen fertiggestellt sein, was aber leider nicht der Fall war (tatsächlich ist es nie vollständig fertig geworden). Und da man aber nun wieder einmal am Ort der gewünschten Schätze war und in der ursprüngliche Zusage keine Angabe über die Menge der bewilligten Bücher gemacht worden war, wählte man noch einmal 200 Bände aus, die mit Bewilligung des mit der Klosterauflösung beauftragten Amtmanns Reich ebenfalls ausgesondert, aber nicht mitgenommen werden durften.   

Im August 1806 erfuhr man dann in Lahr eher zufällig, dass der gesamte Bücherbestand demnächst nach Karlsruhe abtransportiert werden sollte. Sofort holte man sich beim Oberamtsrat Bausch die notwendige Genehmigung und fuhr erneut nach Ettenheimmünster, um die ausgewählten Bücher zu "retten". Insgesamt schaffte man so 12 Kisten mit Büchern nach Lahr. Ein von Subdiakon Schumacher (einem der Lehrer) angelegtes Verzeichnis (es ist im Generallandesarchiv in Karlsruhe noch vorhanden) umfasst ungefähr 860 Bände, vor allem zu philologischen, historischen,  geographischen und naturhistorischen Themen. Dieses musste bei der Hofbibliothek vorgelegt werden, welche verfügte, dass einige wertvolle Bände doch noch nach Karlsruhe abgeliefert werden mussten, der größte Teil aber in Lahr verbleiben durfte, wo über deren "Conservation (d. h. Erhaltung und Bewahrung) gehörig Acht getragen werde".   

Leider war dies über viele Jahre nicht in geeigneter Weise möglich. So verfügte man am Anfang in der Schule nicht einmal über Schränke, so dass die Bücher stark litten und zum Teil so beschädigt wurden, dass 1845 auf höchste Anordnung "eine Anzahl defekter und unbrauchbarer Bücher" öffentlich versteigert wurden. Aus dem Erlös dieser Versteigerung wurden dann mehrere Schränke angeschafft, in denen die Bücher relativ geschützt aufbewahrt werden konnten. 

Wir wissen nicht genau, welche und wie viele der wertvollen Bücher im Laufe der Jahre aus der Bibliothek verschwanden oder zersört wurden (so z. B. bei einem Brand des Schulhauses im Jahr 1877). Auch die Herkunft aus Ettenheimmünster lässt sich nicht mehr bei allen alten Büchern, deren Bestand durch spätere Schenkungen stark anwuchs, eindeutig feststellen.

 

Auf jeden Fall kann die 1806 gestellte Forderung nach "gehöriger Conservation" seit 1977 richtig erfüll werden, wo im Neubau des Scheffel-Gymnasiums ein geeigneter Raum geplant und eingerichtet und der stärker beschädigte Teil Bücher mit Mitteln der Stadt Lahr restauriert wurde.

Auf die schon 1804 von der Kirchenbehörde aufgeworfene Frage, welchen Nutzen alte Bücher aus einer Klosterbibliothek in einer heutigen Schule bringen, fallen mir zwei Antworten ein:

1. Wenn von den Gebäuden des Klosters Ettenheimmünster heute keines mehr vorhanden ist, so ist zum Glück doch wenigstens ein kleiner Teil des ehemaligen Klosterbestandes in der Region erhalten geblieben.

2. Jeder Unterricht lebt von der Anschauung. Wir sind froh, dass wir bei geeigneten Themen hin und wieder Bestände aus unserer Schatzkammer zeigen und einsetzen können.


Daten zur Geschichte der Lehrerbibliothek

1804

Gründung des Pädagogiums Lahr; das Gebäude befand sich in der Marktstraße beim Schlossplatz.

1806 Das Lahrer Pädagogium erhält ca. 860 Bücher aus der Bibliothek des 1803 aufgelösten Klosters Ettenheimmünster, die ca. 20.000 Bände umfasste. Der größte Teil ging an die Hofbibliothek (heute Badische Landesbibliothek) in Karlsruhe, die wertvollen Handschriften an die Universitätsbibliothek Heidelberg.

Die Schule verfügte nur über schlechte Unterbringungsmöglichkeiten, weshalb im Laufe der Zeit viele der Bücher stark beschädigt wurden.

1840 Umzug in das neue Schulgebäude (heute Luisenschule).
1845 Aufgrund höherer Anordnung erfolgt eine öffentliche Versteigerung von defekten und unbrauchbaren Büchern.
1854 Der Bestand umfasst ca. 700 Bände, die im Konferenzzimmer aufbewahrt werden.
1868 Durch private Spenden ist die Bibliothek auf 1456 Bände angewachsen. Druck und Veröffentlichung eines Katalogs, der auch eine Schülerbücherei mit 260 Büchern nennt.

Durch den Katalog werden weitere Privatpersonen und Verlage zu Spenden angeregt, so z. B. Teubner in Leipzig und Schöningh in Paderborn. Insgesamt erhöht sich dadurch der Bestand um 1147 Bände. Später kommen weitere Schenkungen hinzu, z. B. durch Ferdinand von Lotzbeck.

1877 Bei einem Brand des Schulhauses wird ein großer Teil der Bücher zerstört. Mit Hilfe der Feuerversicherung und eines außerordentlichen Staatsbeitrags wird im Lotzbeckschen Gebäude in der Kaiserstr. (heute Eichrodtschule) die Bücherei neu aufgebaut.
1903 Die Sammlung enthält 5100 Bände, deren Zahl sich durch weitere Schenkungen ständig erhöht.

Ein neuer Katalog wird gedruckt und publiziert.

1923 Umzug der Schule in das neu errichtete Gebäude in der Lotzbeckstraße ("Altes Scheffel").
1944 Auslagerung der Bibliothek in den Speicher der Landeszentralbank, wo sie letzten Jahre des Krieges ohne größere Schäden überstand.
1954

Ca. 100 der wertvollsten Bücher wurden zur sicheren Aufbewahrung in die Landesbibliothek nach Karlsruhe überführt, darunter die "Schedelsche Weltchronik" von 1494

 Zu einer Seite Schedelsche Weltchronik

und eine kolorierte Ausgabe der "Cosmographia" des Ptolemäus. Dort wurden sie (irrtümlicherweise?) als Schenkung eingetragen, so dass sie für Lahr als verloren angesehen werden müssen.

Zwischen dem Katalog von 1903 und den nach 1954 vorhandenen Beständen bestehen erhebliche Differenzen; über den Verbleib dieser Bücher ist nichts bekannt.

Wer sich im Internet auf fremden Seiten die Cosmographia in hochaufgelöster Grafik betrachten will:

Zur Cosmographia 567K

Die Cosmographia 201K

Die Cosmographia 706K

Die Cosmographia 2,3MB

1974 86 Wertvolle Bände werden aus Sicherheitsgründen vorläufig im Archiv der Stadt Lahr untergebracht.
1977 Umzug in das jetzige Gebäude.

Unterbringung der wertvollen Bände in einem besonderen tresorähnlichen Archivraum, wo sie bis heute aufbewahrt werden.

 

1978-84 Restaurierung der stark beschädigten Bände mit Mitteln, die von der Stadt Lahr zur Verfügung gestellt wurden.
1996 Sichtung und Neuordnung des Bücherbestandes.

Errichtung einer gesonderten Präsenz- und Arbeitsbücherei, vor allem für Schüler der Oberstufe.


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