„Remberti Dodonaei medici de stirpium
historia commentariorum imagines“  

durchgesehen und kommentiert von:  Gerhard Schächtele


 

(Abbildungen zu den Erklärungen der Naturgeschichte der Pflanzen von Rembert Dodonäus).

Dies ist der vollständige Titel eines der ältesten und interessantesten Bücher im Archiv des Scheffel-Gymnasiums. Es ist 1559 in Antwerpen erschienen und beinhaltet eine Beschreibung der zu jener Zeit bekannten Pflanzenwelt, wie sie vor allem von Medizinen benutzt wurde.

Ursprünglicher Besitzer war ein Melchior Sebitz aus Breslau, und irgendwie muss es dann in die Klosterbibliothek in Ettenheimmünster gelangt sein.

In relativ kleinem handlichem Format werden auf fast 1000 Seiten zahlreiche Pflanzen in kurzen lateinisch verfassten Texten beschrieben. Seinen besonderen Reiz erhält das Buch durch die vielen kunstvollen Abbildungen, durch welche jede der genannten Pflanzen illustriert wird.

Was den Band darüber hinaus jedoch interessant macht, ist seine Verwendung als sogenanntes Stammbuch. Zahlreiche Freunde und Lehrer haben dem Besitzer auf den freien Stellen gute Wünsche und beherzigenswerte Sätze und Sprüche eingetragen, so wie es heute noch bei Poesie-Alben üblich ist. Die meisten dieser Widmungen sind auf lateinisch, der damals gebräuchlichen Gelehrtensprache, verfasst, aber es gibt auch griechische, französische, hebräische und wenige deutsche Einträge.

Aus den Datums- und Ortsangaben lässt sich sogar ein Teil der Biografie des Besitzers rekonstruieren: 1566 - 68 Studium der Medizin in Montpellier, später in Lyon, Genf, Straßburg und Heidelberg; 1975 - 96 wird er in Straßburg als Dr. med. angeredet.

Einige Kostproben von zum Teil von relativ prominenten Verfassern:

Mathias de Lobel (Botaniker, nach dem die Pflanzenfamilie der Lobeliaceen benannt ist) schrieb:                            Opes virtute parantur.

                                        (Macht wird durch Tugend erworben.)

Sigismund Melan[ch]thon (vermutlich ein Verwandter des Sprachwissenschaftlers und Mitarbeiter Luthers) verewigte sich mit den Worten:       

Ut tibi contingat mors foelix, vivere disce.

                                        Ut possis recte vivere, disce mori.

                    (Lerne leben, willst du frohen Tod erwerben,

willst du richtig leben, lerne sterben!

Schließlich (1567) schrieb Nicolaus Taurellus, später Professor für Philosophie, als zwanzigjähriger Student seinem Studienfreund ins Stammbuch:                                                              Philos: Veritas honestissima.

                                        Polit : Honestas nerissima.

                                        (Der Philosoph spricht: Die Wahrheit ist das Ehrenvollste.

                                        Der Politiker sagt: Die Ehre ist das Wahrste.)

Dieser Satz hat auch nach über 400 Jahren nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt, wie auch so manch anderer, der sich in dem kostbaren Band findet.


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