Kultur im Scheffel

Veranstaltungs-Nachlese


Wasserfrauen - eine Soiree

Rezitationsabend mit Schülerinnen und Schülern der Theater – AG

Wasserfrauen

Sirene

Lorelei

Nixe Nymphe

Undine

W a s s e r f r a u e n

Eine Soiree

 Rezitationsabend mit Schülerinnen und Schülern der Theater – AG

 

10. November 1998, 20°° Scheffel – Gymnasium

 

Das Programm entstand im Schuljahr 1997/98 aus

der Arbeitsgemeinschaft

„Von Eva bis Emma"

Archetypen des Weiblichen

geleitet von Gisela Dieterle und Christa Möllinger

 

 

Gesang Eva – Maria Enneking

Veronika Feist

Susanne Litterst

Astrid Oster

Anna Studer

Mattias Fürstenberger

Andreas Kerbs

Michael Kleine

Gregor Kopp

Rezitation Esra Nur Alpsoykan

Mattias Fürstenberger

Annemarie Hübers

 

 

Andreas Kerbs

Michael Kleine

Szene Benjamin Himmen

Annemarie Hübers

Michael Kleine

Licht,Ton Felix Grundhöfer

Christian Boulay

Jonathan Braun

Einleitung Gisela Dieterle

Regie, Musik Christa Möllinger

Ein herzliches Dankeschön an unseren Gast

Herrn Luciano Ortis von der Musikschule!

  

Stimmen - Intro

Eva-Maria Enneking

Veronika Feist

Susanne Litterst

Astrid Oster

Anna Studer

 

Odyssee 12, 36 – 58 Homer

Sprecher: Andreas Kerbs

 

Das Schweigen der Sirenen Franz Kafka

Sprecher: Michael Kleine

 

Odysseus und die Sirenen Bertolt Brecht

Sprecher: Mattias Fürstenberger

 

Die Sirene Dieter Wellershoff

Sprecher: Stefan Wieber

  

Die Lorelei Text: Heinrich Heine

Musik: Friedrich Silcher

Gesang: Mattias Fürstenberger - Michael Kleine -

Gregor Kopp - Andreas Kerbs

 

Loreley

Inge Meidinger – Geise

Esra Nur Alpsoykan
Sprecherin:

Esra Nur Alpsoykan

 

 

Rossini – Dialog aus dem Film

Szene:Benjamin Himmen

Michael Kleine

 

Ballade von Leipzig nach Köln

Wolf Biermann

 

Argonautenepos 12, 1222 – 1239

Apollonios von Rhodos

Sprecher: Michael Kleine

 

Der Fischer Johann Wolfgang von Goethe

Sprecher: Andreas Kerbs

  

Der Fischschwanz Hans von Kahlenberg

Sprecher: Stefan Wieber

  

Die Nixe - Ballade Kurt Schwitters

Sprecher: Andreas Kerbs

Szene: Annemarie Hübers

  

Die kleine Seejungfrau (Ausschnitt) Andersen

Sprecherin: Esra Nur Alpsoykan

  

Ondine – Prélude Claude Debussy

Klavier: Luciano Ortis

 

 Winternacht Gottfried Keller

Sprecher: Mattias Fürstenberger

  

Undine geht Ingeborg Bachmann

Sprecherin: Annemarie Hübers

 


 

Von Nixen, Nymphen und Märchenwesen

Von Georgis Zwach, Lahrer Zeitung, 12.11.98

Ein Rezitationsabend von Christa Möllinger und ihrer eindrucksvoll vortragenden Theatergruppe im Scheffelgymnasium ließ Bilder zum Mythos der Wasserfrauen aufleben, die seit 2000 Jahren die Phantasie der Menschen beflügeln. In Dichtung, Musik und den Bildenden Künsten spielen die Sagengestalten und archetypischen Weiblichkeitsmuster ihre fortdauernde Rolle. Sie unterliegen dabei dem kontinuierlichen Wandel der Interpretationen des Weiblichen.

Geheimnisvolle weibliche Naturwesen sind die Geister, die das Wasser bewohnen. Die verführerischen und todbringenden Sirenen des Odysseus, die Loreley und die spielerischen, lieblichen und quirligen Undinen, jene Zwitterwesen mit dem Fischschwanz – in ihrem feuchten Element so unerreichbar. Sie sind die fremdartigen Androgynen, die auf dem Land und zugleich im Wasser leben können, diese zwielichtig Schillernden, Schlangenartigen, die den erdhaften Mann in ihr unwirkliches Reich locken, wo er untergeht. Gisela Dieterle erläuterte ihre Geschichte seit der Antike und ihr Fortleben bis zum heutigen "Abziehbild des Mythischen" etwa in der barbusigen Badezimmerwerbung für Feuchträume. "La mort est femme"- sagt Frisch und das bezeichnet die ambivalente Sicht des Mannes von der Frau, auf die er angewiesen ist und von der er sich zugleich befreien will: die Schöne und das Tier, die Heilige und die Hure. Die vielfältigen Bilder des Weiblichen wurden in Texten vermittelt, beginnend mit der Odyssee, eingetaucht in gesungene Meerestöne. Von Heine, Kafka bis Brecht, von Appollonios von Rhodos bis Gottfried Keller war über die Magie der Strudel zu hören, in die das Weib den Mann zieht: "Halb zog sie ihn – halb sank er hin" (Goethe). "Er dachte Oh und sagte Ach" (Schwitters). Ondines Sehnsucht nach Erfüllung klang aus den Klaviertönen von Debussy. Und Undines verzweifelte Einsamkeit aus dem Text von Ingeborg Bachmann. Der schwerfällige immer wieder gerufene Hans, der seine Jugend spart und die Idee der Liebe in seiner Unfähigkeit zu Treue und Ganzheit verrät, zwingt sie zum Abschied. Ihr Element gefriert: "Undine geht" – in den eisigen Tod.

 

Benjamin Himmen, Michael Kleine: Rossini

Szene aus "Rossini"


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